Mit „Keep Out Of The Storm“ legen The Sheepdogs ein Album vor, das gleichermaßen Rückbesinnung wie leichte Kurskorrektur ist. Die Kanadier bleiben ihrem Markenzeichen treu – diesem warmen, leicht staubigen Retro-Sound zwischen Southern Rock, Boogie und Classic Rock –, doch sie schärfen ihr Profil hörbar nach.
Von Dylan C. Akalin
Mit ihrem neuen Album schärfen die Kanadier ihr Profil auf bemerkenswert unaufgeregte Weise. Das Album wirkt wie eine bewusste Rückführung auf den Kern dessen, was die Band seit jeher auszeichnet: klassischer Gitarrenrock, gespeist aus den 1970er Jahren, mit Sinn für Groove, Melodie und handwerkliche Geschlossenheit – allerdings ohne sich in bloßer Nostalgie zu erschöpfen.
Schon der Opener „Nobody But You“ setzt dabei ein markantes Ausrufezeichen. Die Nummer trägt eine rauere, kantigere Handschrift als vieles, was man von der Band zuletzt gehört hat. In ihrer schnörkellosen Direktheit und dem leicht staubigen Druck erinnert sie tatsächlich an frühe kalifornische Rockproduktionen der Siebzigerjahre, etwa im Umfeld von The Bones – dieser leicht ungeschliffene Drive, die schnörkellosen Gitarrenriffs und der direkte, beinahe barbandhafte Zugriff. Es ist ein Auftakt, der auf Erdung und Substanz setzt.

Im weiteren Verlauf zeigt sich jedoch, dass „Keep Out Of The Storm“ weniger auf Kontrast als auf Verdichtung angelegt ist. Die Band reduziert, strafft und verzichtet weitgehend auf stilistische Abschweifungen. Wo „Future Nostalgia“ und „Changing Colours“ noch mit Funk, Soul und psychedelischen Farbtupfern experimentierten, dominiert hier eine klare Linie. Das Songwriting wirkt fokussierter, die Arrangements greifen präziser ineinander.
Dabei knüpft das Album hörbar an die Stärken früherer Veröffentlichungen wie „Learn & Burn“ und „The Sheepdogs“ an: mehrstimmige Gitarren, warme Analogästhetik, ein lässig phrasiertes Vocal, das nie ins Forcierte kippt. Gleichzeitig fehlt der Hang zur stilistischen Spielerei, der die mittlere Schaffensphase prägte.
Im Vergleich zu „Outta Sight“ fällt zudem die Produktion auf: weniger poliert, unmittelbarer, mit einem fast livehaften Zugriff. Diese leichte Rauheit verleiht den Songs eine neue Dringlichkeit und verhindert, dass der Retro-Ansatz ins Museale kippt.
Inhaltlich bleibt die Band ihrem thematischen Kosmos treu – Beziehungen, Bewegung, Durchhaltewillen. Doch der Titel „Keep Out Of The Storm“ wirkt dabei wie ein leiser programmatischer Rahmen: Es geht um Behauptung, um Standfestigkeit, um das Festhalten an einem eigenen Klangideal inmitten wechselnder Trends.
So erweist sich das Album als eines der geschlossensten Werke im Katalog von The Sheepdogs. Kein Bruch, kein kalkulierter Neuanfang – tatsächlich eine konzentrierte Selbstvergewisserung, die gerade in ihrer Zurücknahme an Profil gewinnt.