Zwischen Glam, Garagenstaub und großer Geste: The Sideshows feiern den Rock’n’Roll

Mit ihrem Debüt liefern The Sideshows zehn Songs voller rauer Gitarren, hymnischer Refrains und nostalgischer Rockromantik. Hinter der Band stehen erfahrene Musiker der europäischen Glam- und Undergroundszene – und genau das hört man dieser Platte an.

Von Dylan C. Akalin

Mit ihrem selbstbetitelten Debüt legen The Sideshows ein Album vor, das klingt, als hätten sich einige Veteranen der europäischen Glam- und Garagenrockszene vorgenommen, den Geist der frühen Siebziger durch einen modernen Indiefilter zu jagen. Zehn Songs in knapp einer halben Stunde – mehr braucht diese Platte nicht, um ihren Punkt zu machen.

Schon der Opener „Brand New“ setzt den Ton: knackige Gitarren, ein federnder Basslauf und Refrains, die irgendwo zwischen Power Pop, Pub Rock und Indie-Melancholie schweben. Die Songs wirken bewusst unpoliert, aber nie schlampig. Statt Hochglanzproduktion dominiert ein analoger, unmittelbarer Bandsound – als stünde die Gruppe gemeinsam in einem kleinen Studio und spiele die Stücke fast live ein. Gerade dadurch entwickelt das Album seinen Reiz.

Musikalisch bewegt sich die Band in einem Spannungsfeld aus frühem Alternative Rock, klassischem Heartland-Rock und britischer Gitarrenromantik. „We’re Such A Shame“ und „Smoke Show“ tragen den rotzigen Charme des Glam Rock in sich, während „Our Love In The Shadows“ beinahe jangle-popartige Melodien auffährt. Immer wieder blitzen Referenzen an Bands wie Hanoi Rocks, The Replacements oder die melodischeren Momente der New York Dolls auf – allerdings ohne bloße Retroübung zu sein.

„Rock And Roll Owes Me An Apology“

Interessant ist dabei vor allem die personelle Besetzung. Mit Sami Yaffa steht ein Musiker hinter dem Projekt, der bereits bei Hanoi Rocks und später auch bei den New York Dolls Rockgeschichte mitgeschrieben hat. Seine Handschrift ist deutlich hörbar: Die Basslinien treiben die Songs oft stärker an als die Gitarren. Dazu kommen Rich Ragany und Simon Maxwell, beide seit Jahren feste Größen der britischen Underground-Rockszene und hörbar verliebt in große Hooklines und klassische Songstrukturen. Gerade diese Mischung aus Szeneerfahrung und sichtbarer Spielfreude macht die Platte glaubwürdig.

Textlich kreist das Album um verpasste Chancen, gealterte Jugendträume und das Festhalten an einem romantischen Rock’n’Roll-Ideal. Besonders „Rock And Roll Owes Me An Apology“ bringt das augenzwinkernd auf den Punkt: eine Hymne für Musiker, die wissen, dass sie längst nicht mehr zwanzig sind – und trotzdem weitermachen.

Das Entscheidende an „The Sideshows“ ist aber weniger Innovation als Haltung. Die Platte versucht nicht, das Rad neu zu erfinden. Sie will Songs liefern, die direkt zünden, nachts funktionieren und nach Bier, Proberaum und verschwitzten Clubkonzerten klingen. Genau darin liegt ihre Stärke. In einer Zeit maximaler Überproduktion wirkt dieses Album fast trotzig menschlich.