Peter Frampton trägt das Licht weiter: Der ehemalige Humple Pie-Gitarrist bringt sein Album „Carry The Light“ raus

Peter Frampton performs at the Horseshoe Casino in Cincinnati, Ohio. FOTO: Hammerl Kommunikation

Mit „Carry The Light“ veröffentlicht Peter Frampton sein persönlichstes und zugleich entspanntestes Album seit Jahren. Unterstützt von Gästen wie Sheryl Crow, Graham Nash, Tom Morello und Benmont Tench verbindet die Gitarrenlegende klassischen Bluesrock mit Westcoast-Flair, Soul und Americana – und beweist eindrucksvoll, dass große Musik keine nostalgische Selbstkopie sein muss.

Von Dylan C. Akalin

Mit „Carry The Light“ meldet sich Peter Frampton nicht einfach nur zurück – er liefert sein wohl persönlichstes Album seit Jahrzehnten ab. Sechzehn Jahre nach dem letzten Werk mit neuem Originalmaterial klingt der einstige Arena-Rock-Held erstaunlich vital, reflektiert und musikalisch offener denn je. Dass Frampton seit Jahren mit der Muskelkrankheit IBM lebt, schwebt zwar als Hintergrund über dem Album, doch „Carry The Light“ ist keine sentimentale Abschiedsplatte geworden. Vielmehr wirkt sie wie das Werk eines Musikers, der sich seiner Geschichte bewusst ist und gerade deshalb mit bemerkenswerter Gelassenheit nach vorne schaut.

Schon der Titelsong macht klar, dass hier nicht mehr der geschniegelt-glänzende Hitlieferant der „Frampton Comes Alive!“-Ära am Werk ist. Die Gitarren sind wärmer, weniger effekthascherisch, die Arrangements organischer. Frampton spielt nicht mehr gegen die Songs an, sondern in sie hinein. Wo früher das Talkbox-Spektakel dominierte, setzt er heute auf Atmosphäre, Dynamik und subtile Melodik. Seine Soli wirken kontrollierter, manchmal fast zurückgenommen – aber gerade darin liegt ihre Stärke. Das frühere Gitarrenfeuerwerk glimmt heute eher wie eine kontrollierte Flamme – und genau das macht den Reiz dieser Platte aus.

Dabei lebt das Album stark von seinen Gästen, die Frampton jedoch nie die Schau stehlen. Im Gegenteil: Sie dienen den Songs. Besonders gelungen ist „Breaking The Mold“, bei dem Sheryl Crow dem Stück eine angenehm westcoastige Leichtigkeit verleiht. Der Song erinnert mit seinen mehrstimmigen Vocals und dem entspannten Groove tatsächlich an die weicheren Momente von Fleetwood Mac – allerdings ohne nostalgisch zu wirken.

Ganz anders funktioniert „Lions At The Gate“, auf dem Tom Morello seine charakteristischen Gitarren-Eruptionen beisteuert. Hier trifft Framptons klassischer Bluesrock auf moderne Protestrock-Energie. Das Stück klingt rauer, kantiger und politischer als vieles, was Frampton in seiner Solokarriere bislang veröffentlicht hat. Trotzdem bleibt der Song fest in seiner Handschrift verankert: große Refrains, klare Harmonien, melodische Gitarrenlinien.

Zu den schönsten Momenten gehört dagegen „I’m Sorry Elle“, veredelt durch die Harmonien von Graham Nash. Hier zeigt sich Frampton als sensibler Songwriter in der Tradition der klassischen Siebziger-Jahre-Softrock-Schule. Die Ballade hätte mit ihrer warmen Akustikproduktion und den schwebenden Stimmen problemlos auf einem Album von Crosby, Stills & Nash funktionieren können.

Auch instrumental hat „Carry The Light“ einiges zu bieten. Besonders das mit H.E.R. eingespielte „Islamorada“ entwickelt einen beinahe meditativen Charakter. Hier begegnen sich zwei Gitarrengenerationen auf Augenhöhe: Frampton spielt mit Erfahrung und Gefühl, H.E.R. mit moderner Eleganz und Soul. Statt eines virtuosen Schlagabtauschs entsteht ein ruhiger musikalischer Dialog – vielleicht der emotionalste Moment der Platte.

Dazu kommen die jazzigen Saxofon-Beiträge von Bill Evans auf „Tinderbox“ und „Can You Take Me There“, die dem Album zusätzliche Farben verleihen. Und auf „Buried Treasure“ sorgt Benmont Tench mit seinem typisch warmen Orgelspiel für einen bewegenden Tribut an Tom Petty. Dass der Songtext ausschließlich aus Petty-Songtiteln zusammengesetzt ist, hätte leicht zum Gimmick werden können – stattdessen funktioniert das Stück überraschend berührend.

Verglichen mit Framptons klassischen Soloalben aus den Siebzigern fehlt „Carry The Light“ zwar die unmittelbare Hitwucht von „Show Me The Way“ oder „Baby, I Love Your Way“. Doch genau darin liegt seine Qualität. Dieses Album will keine Stadionhymnen liefern. Es ist reifer, nachdenklicher und musikalisch vielseitiger. Man hört Einflüsse aus Bluesrock, Americana, Westcoast, Soul und sogar Jazz – ohne dass die Platte auseinanderfällt. Vieles erinnert eher an die entspannte Klasse seiner späteren Gitarrenalben wie „Fingerprints“ als an den massentauglichen Bombast der „Frampton Comes Alive!“-Jahre.

Bemerkenswert ist vor allem, wie unangestrengt Frampton klingt. Seine Stimme mag gealtert sein, doch sie transportiert heute mehr Charakter denn je. Und sein Gitarrenspiel beweist, dass technische Brillanz nicht zwangsläufig Geschwindigkeit oder Lautstärke braucht. „Carry The Light“ ist deshalb weniger ein großes Comeback als ein spätes Alterswerk voller Würde, Spielfreude und musikalischer Offenheit.

Peter Frampton versucht hier nicht, seine Vergangenheit zu reproduzieren. Er trägt sie weiter.