„Zu alt für den Gnadenhof“: Die Hannoveraner Fury In The Slaughterhouse feiern mit 3000 Fans auf dem KunstRasen Bonn

Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel

Fury In The Slaughterhouse sind nach fast 40 Jahren noch immer eine formidable Liveband. Auf dem Bonner KunstRasen liefern die Hannoveraner um Kai und Thorsten Wingenfelder einen Abend zwischen Nostalgie, neuen Songs und ausgelassener Rockparty – nicht immer perfekt, aber mit enormer Spielfreude. Und spätestens bei „Won’t Forget These Days“ singen rund 3000 Fans ohnehin jede kleine Schwäche einfach weg.

Von Dylan C. Akalin

Es ist etwa 21.20 Uhr, als sie ihren größten Hit spielen. „Won’t Forget These Days“ – was für ein Ohrwurm, der die gut 3000 Fans noch auf dem ganzen Heimweg begleitet haben dürfte. Eins muss man Fury In The Slaughterhouse lassen: Sie wissen, wie sie ihr Publikum unterhalten und feiern lassen. Energie und Lust am Performen haben sie. Und auch wenn das eine oder andere Zusammenspiel an diesem Abend nicht so richtig klappen will, der eine oder andere Ton beim Gesang nicht so recht passt – egal. Die Fans feiern die Hannoveraner um die Brüder Kai (Gesang) und Thorsten Wingenfelder (Gitarre) sowie Gitarrist Christof Stein-Schneider, Drummer Rainer Schumann, Keyboarder und Multiinstrumentalist Gero Drnek, der übrigens bei „Trapped Today“ für mich an diesem Abend das schönste Gitarrensolo auf der Akustikgitarre spielt, sowie Bassist Christian Decker.

Vor einem Jahr waren noch 8000 Fans gekommen, um die Band zu sehen, die viele seit fast 40 Jahren begleiten. Mit ihrer Musik, die irgendwo zwischen Alternative Rock, Pop und Indie Rock liegt und oft eine hymnische Stimmung erzeugt, treffen sie den Nerv des Publikums. Musik zum Tanzen, Schwelgen und Entspannen. Hier ein wenig Hooters, dort etwas U2, hier Midnight Oil, Bruce Springsteen, eine Prise Weezer und H-Blockx – schon haben wir den Sound von den Furys. 

„Drei-mal-acht-System“

Die Hannoveraner haben ihr Programm gegenüber dem vergangenen Jahr nochmal etwa  durchgeschüttelt. Ein „Drei-mal-acht-System“ hätten sie der Songauswahl zugrunde gelegt, erklärt der Frontmann, der beim fünften Song ein Bad in der Menge nimmt: „Acht Songs, die ihr hören wollt, acht Songs vom neuen Album und acht Songs, von denen ihr nicht wisst, dass ihr sie hören wollt, aber wir Bock drauf haben.“

Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel

Also wird die Show mit dem eher langsamen „Changes“ eröffnet, bei dunkelrot beleuchteter Bühne. Ein ruhiger Beginn, der zunächst wenig von dem vermuten lässt, was in den kommenden zwei Stunden noch passieren wird. Mit „9 Lives“ und „Milk and Honey“ geht es zunächst weiter durch das ältere Repertoire, bevor „Letter to Myself“ folgt. Die Furys wollen an diesem Abend nicht einfach nur ihre größten Hits abarbeiten.

„Radio Orchid“ hat diesen typischen Fury-Sound: treibende Gitarren, eine eingängige Melodie und trotzdem eine gewisse Melancholie, die immer mitschwingt. Danach „Why Worry“, „Lost and Found“ und „Haunted Head and Heart“. Das Tempo wechselt, die Stimmung ebenfalls. Mal rockiger, mal nachdenklicher. 

Wenn Texte in die Gegenwart passen

Bei „Sorrowland“ wird es schließlich ruhiger. Weniger Show, mehr Atmosphäre. Ein schöner Kontrast zu dem, was noch kommen soll. Fury In The Slaughterhouse können ihre Songs durchaus auf das Wesentliche reduzieren, ohne dass ihnen dabei die Wirkung abhandenkommt.

„Dead and Gone“ holt die Band wieder zurück in den Rockmodus. Danach „Clown“, kurz und knackig, bevor mit „Viva la revolución“ die erste richtig große politische Geste des Abends folgt. Kai Wingenfelder ist inzwischen endgültig auf Betriebstemperatur. Er nutzt die ganze Bühne und sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum.

Bei „Every Generation“ singen die Furys über eine Generation, die ihre eigenen Probleme hat – und plötzlich passt der Text wieder erstaunlich gut in die Gegenwart. 

Die Party ist eröffnet

„Fix This Crack“ und „Trapped Today“ treiben das Konzert weiter nach vorne. Bei „Trapped Today“ greift Gero Drnek zur Akustikgitarre und spielt für mich das schönste Gitarrensolo des Abends. Kein großes Effektfeuerwerk, sondern ein kurzer, sehr musikalischer Moment. Danach geht es mit „Rain Will Fall“ wieder in etwas ruhigere Gefilde, bevor mit „Party Girl / Pussycat“ und „Kick It Out“ endgültig die Party eröffnet wird.

Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel

Jetzt ist kaum noch jemand im Publikum still. Die knapp 3000 Menschen auf dem KunstRasen tanzen, singen und feiern. Und die Band liefert. Nicht immer perfekt, aber mit einer Energie, für die man die Band, deren Mitglieder seit Jahrzehnten auf Bühnen stehen, kennt. Wie formulierte es Christof Stein-Schneider zwischendruch? „Wir sind zu alt für den Gnadenhof.“

„Youth Is Wasted on the Young“ ist dabei fast schon eine ironische Zwischenbilanz. Ein Song über die Jugend, gespielt von Musikern, die ihre eigene Jugend längst hinter sich gelassen haben. Und vielleicht funktioniert er gerade deshalb so gut. Denn bei Fury In The Slaughterhouse geht es inzwischen weniger darum, jung zu wirken, als darum, sich die Lust am Musikmachen zu bewahren.

Dann ist es etwa 21.20 Uhr.

„Won’t Forget These Days“.

Der größte Hit der Band. Und natürlich kennen ihn alle. Schon nach den ersten Takten ist klar, dass Kai Wingenfelder den Refrain nicht alleine singen muss. Tausende Stimmen übernehmen. „Won’t Forget These Days“.

Mit „Years of Thunder“ geht es nach dem großen Hit noch einmal zurück in die Vergangenheit. Und dann kommt natürlich „Time to Wonder“. Noch so ein Song, bei dem das Publikum beweist, dass es die Texte offenbar besser kennt als die Band sie ansagen könnte. Ein bisschen pathetisch, ein bisschen nostalgisch, aber eben auch sehr schön.

Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel

„Goodbye So Long“ und schließlich „Sister Moon“ beschließen den Abend.

Und irgendwie passt das. Denn Fury In The Slaughterhouse haben an diesem Abend genau das gemacht, was sie zu Beginn versprochen haben. Sie haben Songs gespielt, die das Publikum hören wollte. Sie haben neue Stücke eingebaut. Und sie haben sich selbst genügend Raum gegeben für die Songs, auf die sie offenbar besonders viel Lust haben.

Die Furys spielen ihre Songs, die guten wie die weniger guten, die alten wie die neuen. Und sie wissen, dass da vorne Menschen stehen, die mit diesen Liedern einen Teil ihres eigenen Lebens verbinden.

Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel

Fury In The Slaughterhouse KunstRasen Bonn 2026

  1. Changes
  2. 9 Lives
  3. Milk and honey
  4. Letter to myself 
  5. Radio Orchid
  6. Why worry
  7. Lost and found
  8. Haunted head and heart
  9. Sorrowland – akku
  10. Dead and gone
  11. Clown
  12. Viva la revolución
  13. Every generation
  14. Fix this crack
  15. Trapped today
  16. Rain will fall
  17. Party Girl / Pussycat
  18. Kick it out
  19. Youth is wasted on the young
  20. Won’t Forget + Reprise
  21. Years of thunder
  22. Time to wonder + Reprise
  23. Goodbye so long
  24. Sister Moon
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Mittendrin als nur dabei: Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Pohlmann wärmte das Publikum vor Fury In The Slaughterhouse auf dem KunstRasen Bonn 2026 auf. FOTO: Borys M. Bommel
Pohlmann auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Pohlmann auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Pohlmann auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Pohlmann auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel
Pohlmann auf dem KunstRasen Bonn 2026. FOTO: Borys M. Bommel