Triumph der Klarheit: Joe Jackson ordnet sich neu – und liefert mit seinem neuen Album „Hope and Fury“ ein spätes Meisterwerk

Joe Jackson am 15. Februar 2016 in der Lichtburg, Essen. FOTO Peter "Beppo" Szimanski

Von Dylan C. Akalin

Wow! Ich bin ebenso begeistert wie überrascht. Mit „Hope and Fury“ legt Joe Jackson ein rundum starkes Album vor, und ich frage mich, ist Joe Jackso dabei, sein Werk neu zu ordnen? Es ist kein bloßes, solides Alterswerk, es ist kein routinierter Nachschlag. Es wirkt, als habe er die eigene Geschichte noch einmal bewusst durchforstet. „Hope and Fury“, das inzwischen 22. Studioalbum von Joe Jackson, ist genau so ein Moment.

Nach den oft eigenwilligen, nicht immer zwingenden Exkursen der letzten Jahre überrascht dieses Album durch Klarheit. Jackson kehrt zu einer stilistischen Verdichtung zurück, die man fast schon vermisst hatte: New Wave, Jazz, Latin und Pop greifen hier wieder organisch ineinander. Nichts wirkt überfrachtet, nichts demonstrativ verspielt – stattdessen herrscht eine konzentrierte, fast elegante Ökonomie.

Vergleich mit „Night and Day“ liegt nahe

Der Vergleich mit „Night and Day“ liegt nahe – und diesmal trägt er. Die rhythmische Leichtigkeit, die latinjazzige Durchlässigkeit und die urbane Eleganz vieler Stücke erinnern tatsächlich an jene Hochphase, in der Jackson mühelos zwischen Anspruch und Eingängigkeit balancierte. Doch Hope and Fury ist keine nostalgische Kopie. Wo „Night and Day“ die Stadt als vibrierenden Möglichkeitsraum inszenierte, blickt dieses Album mit kühlerem, manchmal fast desillusioniertem Blick auf die Gegenwart.

Der Titel ist dabei Programm. In den Texten prallen Sarkasmus und Wut auf eine abgeklärte, bisweilen überraschend milde Weisheit. Jackson beobachtet, seziert, kommentiert – ohne sich je in plakativen Botschaften zu verlieren. Da ist der trotzige Individualismus eines Songs wie „I’m Not Sorry“, die bissige Gesellschaftssatire in „Fabulous People“ oder das stille, fast melancholische Innehalten in den ruhigeren Momenten des Albums. Besonders stark gelingt ihm dabei die Balance: Die Wut wird nie lärmend, die Hoffnung nie naiv.

Ein spätes Karriere-Highlight

Ich bin begeistert, wie geschlossen dieses Album wirkt. Gerade im Vergleich zu einigen der letzten Veröffentlichungen, die oft eher wie interessante Gedankensammlungen daherkamen, entfaltet „Hope and Fury“ eine klare innere Dramaturgie. Die Songs greifen ineinander, die Arrangements sind präzise gesetzt, und selbst die stilistischen Brüche wirken kontrolliert statt beliebig.

Jackson ist kein Künstler, der sich noch etwas beweisen muss. Er weiß genau, was er kann – und was er weglassen muss. Diese Reduktion ist vielleicht die größte Stärke des Albums.

Am Ende steht ein Werk, das sich weder in Nostalgie flüchtet noch in Experimenten verliert. „Hope and Fury“ verbindet die Raffinesse früherer Großtaten mit der Gelassenheit und Schärfe eines erfahrenen Beobachters – und macht einfach Spaß. Man will es immer und immer wieder hören.

Ein spätes Karriere-Highlight – und ein Album, das zeigt, wie relevant ein Künstler bleiben kann, wenn er sich nicht wiederholt, sondern neu fokussiert.