Toshiko Akiyoshi spielt mit der WDR Big Band in der Bonner Oper

Von Cem Akalin

BONN. Sie gilt als eine der ersten aus Asien stammende Jazzmusikerinnen und ist bekannt für ihre sehr individuelle Sprache, die beeinflusst vom Modern Jazz, aber auch der traditionellen japanischen Klangkunst ist. „A Lot of Colours“ könnte der Titel dieser außergewöhnlichen Produktion lauten, denn Toshiko Akiyoshi ist eine feste Größe im Modern Jazz. Diese Produktion mit der WDR Big Band wird nur zweimal aufgeführt und am Samstag, 28. September, in der Reihe „Quatsch keine Oper“ in Bonn vom WDR mitgeschnitten.

Akiyoshi wurde 1929 in der von Japanern besetzten Mandschurei Provinz geboren. Ihr Vater, Inhaber eines Import-Export-Textil-Geschäfts und Liebhaber sowie aktiver Musiker des klassischen japanischen Noh-Theater, hielt Akiyoshi und ihre drei Schwestern an, Unterricht in Musik, Schauspiel und Tanz zu nehmen. Während des Weltkriegs floh die Familie nach Japan. Akiyoshi war damals 15 Jahre alt. Die Stadt Beppu, in der sich die Familie niederließ, liegt nicht allzu weit von Hiroshima und Nagasaki entfernt. Als sie einmal in einem Interview dazu gefragt wurde: „Alles, was ich wusste, war, dass der Krieg zu Ende war. Wir wussten, dass es eine Bombe gab, aber wir hatten zunächst keine Ahnung über die Wirkung. Die Menschen versuchten zu vermeiden, darüber zu sprechen. Auch die Opfer wollten nicht darüber sprechen.“

In dieser Zeit bekam sie Kontakt zum Jazz – über die amerikanischen Soldaten. Als Jazzpianistin verdiente die 16-Jährige sich ihr Geld in einer der vielen Tanzhallen der Besatzertruppen. Die junge Pianistin fiel zuerst Oscar Peterson bei einer Japan-Tournee auf – und schon wenig später der ganzen (Jazz-)Welt.

Heute ist Akiyoshi eine der ganz Großen im Modern Jazz. Die Pianistin, Komponistin und Arrangeurin wurde 14 Mal für den Grammy nominiert und hat mit ihren Big Bands Meilensteine gesetzt. 1953 erscheint ihre erste LP „Toshiko’s Piano“. Sie spielt in Konzerten und auf Platten unter anderem mit Roy Haynes, Ed Thingen, Paul Chambers, Oscar Pettiford, Charles Mingus und Charlie Mariano. Anfang der Siebziger gründet sie mit ihrem Mann Lew Tabackin ihre erste Big Band, über die Leonard Feather schrieb: „Das ist das unglaublichste Orchester unserer Zeit.“

Ihr Album „Insights“ wird 1976 bis 1978 von Down Beat zum Album des Jahres gewählt. ’84 erscheint der Dokufilm „Jazz is my native language“ über sie, 1996 ihre Autobiografie „A Life with Jazz“. 1999 spielt ihre Big Band auf dem Monterey Jazz Festival eine Suite Duke Ellingtons. 2001 komponiert sie „Hiroshima – Rising from the Abyss“, das am Hiroshima-Jahrestag uraufgeführt wird.

Ihr Arrangements sind in der Jazzgeschichte einzigartig. Die Struktur der Stücke, die Konstruktion der Arrangements folgen keineswegs klassischen Vorlagen. Dabei begeistert Akiyoshi immer wieder mit farbenfrohen, vielschichtigen Klangerlebnissen.

Die WDR Big Band ist in Europa das erste Jazzorchester, das für seine CD-Produktionen mehrfach mit einem Grammy ausgezeichnet wurde. Es wurde mehrfach als die „beste Big Band der Welt“ betitelt.

Karten für das Konzert am Samstag, 28. September, 20 Uhr, gibt es von 24 bis 33,90 Euro bei bonnticket.de und in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.