Von Love A über Die Nerven und Sonny Landreth bis zu Wolf Maahn

Rockpalast: Das Logo der WDR-Musikreihe. FOTO: WDR

Die Herbstausgabe des WDR Crossroads Festivals startet an diesem Mittwoch. Vom 21. bis 24. Oktober präsentiert der Rockpalast im Bonner Musikclub Harmonie jeden Abend ab 19 Uhr zwei Bands. Tickets gibt es hier.

Mittwoch, 21. Otober 2015:

Den Anfang macht Love A setzt auf die Klangästhetik der 1980er Jahre, vor allem von Bands wie Cure, was insbesondere die instrumentalen Arrangements betrifft. Was Jörkk Mechenbier (Vocals), Stefan Weyer (Gitarre), Dominik Mercier (Bass), Mario Regneri und Karl Brausch (Drums) da machen, kann man wohl irgendwo zwischen Post-Punk, Neue Deutsche Welle und Indie-Rock einordnen, wobei es der etwas sperrige, fast rhythmische Sprechgesang von Jörkk Mechenbier einem nicht immer leicht macht, diesen leicht melancholischen Post-New Wave – eigentlich ja ein Anachronismus! – einzuordnen. Das soll man wohl auch nicht.

 

Und die Texte sind es auf jeden Fall wert, aufgenommen zu werden! Love A machen keine Musik für nebenher, sie kriecht dem Hörer recht subtil in Ohr und Hirn – und dann mitten in die Seele. Tipp: einfach mal hinhören!

The Volcanics aus dem australischen Perth wollen eigentlich nur eins machen: rauen Rock ’n‘ Roll mit den Attitüden des Protopunks, der N den jungen Iggy Pop erinnert. Sie selbst sagen, sie seien inspiriert von der Musik von The Victims und The Scientists, aber auch vom „classic rock sound“ von The Stooges, MC5 und AC/DC! Ja, das alles steckt in ihrer vorwärtstreibenden, unbändigen Musik. The Volcanics ist vor allem ein Live-Event!

Donnerstag, 22. Oktober 2015:

Die Nerven sind für Christian Ihle (taz) „die beste Liveband des Landes. Punkt.“ Vor allem sind Die Nerven, über die sich die Kritiker ja geradezu mit Lobeshymnen überschlagen, ein Phänomen der deutschen Musiklandschaft. Düsterer Indie-Punk-Rock mit manchmal recht rätselhaften, bilderreichen Texten, „jedes Wort ein Steinschlag“, wie es in einem ihrer Songs so schön heißt, zwischen Wut, kreativer Resignation, Melancholie – eine Band, die ihren Ausdruck gefunden hat, die moderne urbane Musik macht u nd sich einen Dreck um Trends schert – und damit das Herz der Jugend trifft.

https://www.youtube.com/watch?v=nHeADv8CpB0

 

Sun And The Wolf ist eine neuseeländische Band, die psychedelischen Rhythm ’n‘ Blues mit vielen Sixties-Zitaten macht. Die Gitarren sind schön verzerrt und gleiten mit viel Hall über den ruhigen, verträumten Bassläufen, scheinen manchmal fast rückwärtszulaufen. Das Gesangs- und Gitarren-Doppelduo Brodie White und Peter Mangan versteht es ihre Zuhörer in musikalische Rauschzustände zu versetzen.

Freitag, 23. Oktober 2015:

Miraculous Mule kommen in die Harmonie. FOTO: Band Promo
Miraculous Mule kommen in die Harmonie. FOTO: Band Promo

Miraculous Mule ist eine englische Rockband, die sich 2011 formierte. Das Trio besteht aus Schlagzeuger Ian Burns, dem Bassisten und Sänger Patrick McCarthy sowie seinem Bruder, dem Songwriter und Gitarristen Michael McCarthy. Basis ihrer Musik ist eindeutig der Blues, der teilweise hymnische Formen annehmen kann, aber auch schon mal die Schnodderigkeit eines Captain Beefheart pflegt. Die Jungs verstehen es, das Gefühl von Gospel und erdigem Roots-Blues mit Rockabilly und Soul zu einer sehr berührenden Melange zu rühren. Vielleicht der Geheimtipp auf diesem Festival.

Sonny AlbumSchon nach wenigen Takten wird der Einfluss von Zydeco und Cajun-Music auf seinen Blues deutlich. Sonny Landreth darf sich jedenfalls kein Bluesfan entgehen lassen. Der Mann mit der ungewöhnlichen Slideguitartechnik und der sanften Stimme war schon immer ein vielbeschäftigter Begleitmusiker und ist immer ein gern gesehener Gast auf den Gitarristengipfeltreffen, die Eric Clapton regelmäßig veranstaltet. Clapton war es auch, der Landreth einmal als den „wahrscheinlich am meisten unterschätzten Musiker auf dem Planeten und auch wahrscheinlich einen der am weitesten fortgeschrittenen Gitarristen“ beschrieb. Landreth gehört auf jedenfall zu den edlen Programmpunkten dieser Festivalausgabe.

Samstag, 24. Oktober 2015:

Dem Motown Sound der 60er Jahre haben sich The Buttshakers verpflichtet. Das ist schweißtreibende, energiegeladener Rhythm’n’Blues, Funk und Soul-Musik, sehr roh, unverfälscht und ungeheuer dynamisch. Dazu trägt sicher neben den heißen Bläsern auch der charismatische Gesang von Ciara Thompson  bei. Einflüsse von Charles Bradley, der ja auch schon die Harmonie zum Kochen brachte, von Sly and the Family Stone oder Sharon Jones sind jedenfalls kein Zufall.

Muss ich noch was zu Wolf Maahn schreiben? Der Mann beherrschte die 1980er Jahren mit Songs wie „Fieber“ und „Rosen im Asphalt“. Der SPIEGEL schrieb damals zu recht: „Wolf Maahn singt und spielt unverdrossen gegen diese Flachwelle an – mit solidem Hand- und schwarzem Mundwerk.“ Gerade hat der 60-Jährige mit „Sensible Daten“ ein neues Album vorgelegt, auf dem mancher Song von der Stimmung stark an Bruce Springsteen erinnern.