Ein exklusiver Jazzabend mit dem Cécile Verny Quartett

Cécile Verny. FOTO: Peter "Beppo" Szymanski

Das Beeindruckende an diesem wundervollen Jazzabend in der Bonner Harmonie war nicht nur das auffallend harmonische Zusammenspiel des großartigen Cécile Verny Quartetts. Man spürte praktisch bei jeder Note, dass zwischen den vier Musikern ganz offensichtlich eine besondere Magie vorherrscht. Diese kleinen Blickkontakte untereinander, das feine, sensible Zusammenspiel insbesondere in den leisen Passagen – das alles war mehr als einfach nur die Routine zwischen langjährigen Weggefährten.

Cécile Verny Quartett. FOTO: Peter "Beppo" Szymanski
Cécile Verny Quartett. FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Nein, was faszinierte war diese subtile Leichtigkeit, mit der jeder Musiker seine Ansätze wechselte. Dass Cécile Verny ihr Stimminstrument beherrscht ist ja ohne Frage, aber wie sie im Scatgesang von der soulig, melodischen Linie in einen eher afrikanisch geprägten Shoutgesang übergeht, um dann in einem geradezu abstrakt-akademischen Jazz zu landen, wie sie es zum Beispiel bei „Car Désespéréé“ („Für Verzweifelte“) tat, was dem Thema übrigens außerordentlich gut behagte, das hatte eine Klasse für sich. Das Stück begann mit einer recht sparsamen Instrumentierung, einem eher perlenden Piano, vollen Bässen, aufs Nötigste reduziertes Schlagwerk. Und Cécile entfernte sich vom Textlichen, ihre Stimme bekam etwas Höhnisch-Böses, steigerte sich in eine beschwörende Klage, die Lautmalereien wurden immer abstrakter, Pfeifen mischten sich in den Gesang und verklange dann wie ein Rauschen im Wind.

Überhaupt: Cécile ist eine Sängerin mit einem breiten Stimmrepertoire. Das reicht von der zarten, fast unüberhörbaren Nuancierung einer gehauchten Kopfstimme über fast poppig jazzige Tanznummern bis hin zu Root Blues beeinflusste Stücken, zu denen ein gewisser „Dreck“ in der Stimme gehört.

Lars Binder. FOTO: Peter "Beppo" Szymanski
Lars Binder. FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Lars Binder fiel durch sein spitzfindiges Schlagzeugspiel auf, bearbeitete die Snare auch mal mit den Händen oder griff zur Djembe, er ist ein Drummer, der sowohl das reine Trommelspiel als auch die Feinheiten des Beckenbetonten beherrscht.

Vielseitigkeit zeichnet sicher auch Andreas Erchinger am Keyboard aus: Er kann sich am Piano gut zurücknehmen und sich auf die Begleitung konzentrieren, aber träumerische Sequenzen hat Erchinger ebenso drauf wie swingende Einlagen („The Bitter And The Sweet“) oder wilde im Postbop beheimatete Ausbrüche („No I.D.“).

Andreas Erchinger. FOTO: Peter "Beppo" Szymanski
Andreas Erchinger. FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Die Band kann’s. Sie rockt („Snow Falling“), sie groovt, sie tanzt wie bei der letzten Zugabe „J’aime l’idée“, die von einer entspannten Dynamik ist, wie man sie früher von Steely Dan kannte.

Und Bassist Bernd Heitzler? Der Mann macht mit seinem Einfallsreichtum und seinem exzellenten Sound, der so raumfüllend wie ein wärmendes Kaminfeuer ist, einfach nur Spaß.

Bernd Heitzler. FOTO: Peter "Beppo" Szymanski
Bernd Heitzler. FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Egal, ob sich Bernd Heitzler hingebungsvoll über seinen Kontrabass beugte, den E-Bass zupfte oder die fünfsaitige, akustische Bassgitarre schlug, dieser Musiker ist verliebt in sein Instrument. Das merkt jeder Zuhörer schon bei den ersten Tönen. Einen besseren Begleiter kann sich Verny wohl nicht wünschen. Das waren zwei Stunden exklusives Musikerlebnis! (Cem Akalin)

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