Irreversible Entanglements kündigen neues Album „Future Present Past“ an – Live u.a. in Lüttich zu erleben

Irreversible Entanglements FOTO: Crossover Media

Von Dylan C. Akalin

Das radikale Free-Jazz-Kollektiv Irreversible Entanglements meldet sich mit neuem Material zurück. Am 27. März erscheint mit „Future Present Past“ das fünfte Studioalbum der Band über Impulse! Records. Zeitgleich kündigt die Gruppe eine Reihe von Konzerten an, darunter auch einen Auftritt beim Jazz à Liège in der belgischen Stadt Liège – übrigens wirklich sehr zu empfehlen!

Bereits jetzt geben zwei neue Stücke einen Vorgeschmack auf das kommende Album: „Don’t Lose Your Head“ und „Vibrate Higher“. Beide Tracks entstanden in Zusammenarbeit mit der Künstlerin MOTHERBOARD, einer langjährigen Weggefährtin der Band.

Zwei neue Stücke zwischen Kampfansage und Trance

„Don’t Lose Your Head“ eröffnet die Doppelveröffentlichung mit einer klaren Botschaft. Über einem wendigen Groove von Schlagzeuger Tcheser Holmes liefern Sängerin und Spoken-Word-Künstlerin Camae Ayewa sowie Gast MOTHERBOARD eine eindringliche, bewusst zurückgenommene Performance. Der Titel fungiert dabei als kämpferischer Aufruf zur Wachsamkeit in turbulenten Zeiten.

Ganz anders „Vibrate Higher“: Das Stück entwickelte sich ursprünglich aus einer Live-Aufnahme vor ausverkauftem Haus im New Yorker Pioneer Works – aufgenommen ausgerechnet am Geburtstag von Bassist Luke Stewart. Atmosphärische Synth-Drones von Saxofonist Keir Neuringer und ein expressiver Bass eröffnen eine langsam anschwellende Klanglandschaft, die sich zu einer dichten Perkussions- und Bläserexplosion steigert. Als die musikalische Spannung ihren Höhepunkt erreicht, verschiebt Trompeter Aquiles Navarro das Stück mit dissonanter Eleganz in eine hypnotische Rhythmusfigur – ein Paradebeispiel für die spontane, kollektive Kompositionsweise der Band.

Aufgenommen im legendären Van Gelder Studio

Für „Future Present Past“ kehrte das Quintett im Oktober 2024 in das legendäre Van Gelder Studio zurück – einen der mythischen Aufnahmeorte des Jazz. Dort entstanden die zentralen Tracks des Albums.

In den folgenden Monaten arbeiteten die Musiker gemeinsam mit Produzent Jonathan Schenke in Brooklyn weiter an Arrangements und Struktur. Den finalen Mix übernahm erneut Andrew Lappin. Neben MOTHERBOARD wirkt auch der Singer-Songwriter Helado Negro als Gast mit.

Das Ergebnis beschreibt die Band als eine Art musikalischen Aufruf zum Handeln: eine Klangreise, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verschränkt. Diasporische Befreiungsmusik, kollektive Improvisation und politische Dringlichkeit verschmelzen zu einer Vision, in der Gemeinschaft und gegenseitige Verantwortung im Mittelpunkt stehen.

„Wir müssen füreinander sorgen“

In einem Statement zum Album formuliert die Gruppe ihre Haltung unmissverständlich: Niemand werde kommen, um uns zu retten – wir müssten füreinander sorgen. Die Musik verstehe sich als Teil einer langen Tradition von Heilern, Rebellen und Visionären. Ihre Aufgabe sehen Irreversible Entanglements darin, diese Energie weiterzutragen: als Botschafter, die dazu aufrufen, „höher zu vibrieren“ – jenseits von Lärm, Hype und Grenzen.

Europatermine im Frühjahr – Konzert in Lüttich

Neben US-Shows im März kommt die Band im Mai auch nach Europa. Ein Höhepunkt dürfte ihr Auftritt beim Festival Jazz à Liège am 7. Mai in Liège werden. Weitere Stationen sind unter anderem AntwerpenInnsbruck sowie das Torino Jazz Festival in Turin.

Mit „Future Present Past“ setzen Irreversible Entanglements ihren kompromisslosen Weg fort: Free Jazz als politisches Statement, als kollektive Energie und als Musik, die ihre Zuhörer nicht nur fordert, sondern regelrecht mitreißt.