Crossroads: Der dritte Abend ist der bislang beste des Festivals

Sonny Landreth. FOTO: Peter Szymanski

Als Sonny Landreth am Freitagabend sein Konzert in der Harmonie zunächst mit “Z Rider” und dem Delta Blues-Klassiker “Cherry Ball Blues“ von Skip James eröffnet, dachte man schon, es würde ein Bluesabend der vorhersehbaren Gitarrenläufe werden. Doch schon bei „The High Side“, auf dem Landreth mit einer fast Lyle Lovett-artigen Gesangsstimme singt, lässt er erste Spielfreuden erkennen. Spätestens bei seinem Klassiker „Congo Square“ gibt es kein Halten mehr: Dieser beeindruckend sichere Wechsel an Stilen und Techniken, die Landreth an seiner Gitarre beherrscht und mit denen er immer wieder neue Stimmungen erzeugt, lässt die Fans zu recht jubeln.

„Congo Square“ bietet sich für technische Eskapaden auch an, wenn Landreth auf seiner auf D-Moll gestimmten Gitarre geradezu elastische Atmosphären erschafft. Er selbst hat einmal gesagt, dass er bei dem Stück an den großen Slide-Gitarristen Elmore James in düsterer Stimmung denken würde. Ein wirklich ganz großartiges Stück Bluesgitarre!

Auch bei „Brave New Girl“ nutzt Landreth sein breites Repertoire an Spieltechniken, flirtet mit der Rückkopplung, lässt die Sounds aus seiner Fender Strat tanzen und wie über eine glatte Tanzfläche dahingleiten. Aber vor allem verlässt er die sicheren Terrains der Bluesschemen. Je mehr Wagnis, desto mehr peitscht er sich selbst in seinen Soli zu kreativen Höchstleistungen.

Bei „Walkin‘ Blues“ aus seinem aktuellen Album „Bound By The Blues“ gönnt er seinem Publikum eine kurze Ruhepause mit einem tollen Gastauftritt von Layla Zoe, die mit ihrer rauchigen Bluesstimme weitere Akzente bei diesem großartigen Konzertabend setzt. „Pedal To Metal“, das letzte Stück des Abends gehört schon seit vielen Jahren zu Landreths Zugabe-Repertoire – ein rasantes Instrumental, auf dem der Meister wieder mal seine ganze Größe und Finesse als Gitarrenguru beweisen kann. Ein fulminanter Abschluss.

Patrick McCarthy (Bass, Vocals). FOTO: Peter Szymanski
Michael J. Sheehy (Gitarre, Vocals). FOTO: Peter Szymanski

Zuvor hatten Miraculous Mule, das englische Blues-Trio, mächtig viel Druck gemacht. Auf der Bühne kommen sie eine Spur düsterer und noch kraftvoller rüber, als auf ihren Alben. „I‘m A Soldier“, sehr Drum und Bass betont und mit sparsamen Gitarrenlicks instrumentiert, lebt von den kraftvollen Gesangsparts von Michael J. Sheehy (Gitarre) und Patrick McCarthy (Bass). „Country Circuit Preacher“ startet stark psychedelisch mit Hendrix-artigen Gitarrenlicks, „Bye“ ist ein bassbetontes geradezu dreckiges Bluesstück, auf dem McCarthy einen die Seele treffenden Gesang beisteuert, ebenso wie auf „Dangerous Blues“ – ein Stück, das klingt, als würde Captain Beefheart als Voodoo-Zauberer die bösen Geister beschwören. Fiebrige Beats auf „Evil On My Mind“, ekstatisches Spiel auf “Where Monsters Lead” – Miraculous Mule haben sich als eine der Favoritenbands des Herbstfestivals empfohlen.