Das Debüt von Black Crowes-Gitarrist Rich Robinson: The Magpie Salute „High Water I“

The Magpie Salute FOTO: David McClister

Ob sie wie Black Crows klingen? Ja, auch. Vor allem die Gitarre. The Magpie Salute vereinen indes den Southern Rock mit Psychedelic und dem Spektrum von Jam- und Folkrock-Bands. „High Water I“ ist ein fantastisches Album.

Von Dylan Cem Akalin

Leidenschaft. Das ist es, was das Debüt von The Magpie Salute so auszeichnet. Freude am Songwriting und Arrangieren. Da stecken so viele wunderbare Details in jedem einzelnen Stück, dass es eine Freude ist, das Album wieder und wieder zu hören.

Nach der bitteren Trennung von seinem Bruder und den Black Crowes hat Rich Robinson darauf geachtet, den Geist der wunderbaren Black Crowes am Leben zu erhalten. Angefangen hat er mit einer ganzen Reihe von Gigs, bei denen er auch von den Ex-Crowes Marc Ford (Gitarre) und Bassist Sven Pipien unterstützt wurde. Dieses Projekt hat Robinson nun zu einer Band namens The Magpie Salute konsolidiert. Nach ausgiebigen Tourneen kommt an diesem Freitag (10. August 2018) endlich das Debütalbum der Band „High Water I“ raus. Die Besetzung vervollständigen John Hogg, Matt Slocum und Joe Magistro. Mit Sänger John Hogg arbeitete Robinson bereits bei seinem Nebenprojekt ‚Hookah Brown‘ zusammen. Keyboarder Matt Slocum und Schlagzeuger Joe Magistro unterstützen ihn seit Jahren bei seinen Soloalben und auf Tour.

The Magpie Salute nahm 2016 erste Gestalt an, als Robinson die ursprünglich zehnköpfige Band für einen bahnbrechenden Woodstock Gig zusammenstellte. Anschließend spielten sie im Januar 2017 im Gramercy Theatre in New York vier ausverkaufte Konzerte nacheinander. Bis 2018 folgten weltweit 77 weitere Konzerte mit einem Repertoire von 170 Songs. Darunter fanden sich sowohl Coverversionen, Songs der Black Crowes als auch Solostücke von Robinson. Schließlich zogen sie sich ins Dark Horse Studio in Nashville zurück, wo sich die Vision des sechsköpfigen Line Ups herauskristallisierte.

Black Crowes-Fans werden es lieben

Und da es einfach unvermeidlich ist, die Band mit den Crows zu vergleichen: Black Crowes-Fans werden dieses Album lieben. Robinson hat ja oft behauptet, dass seine Rolle als Co-Komponist in den Black Crowes zu wenig zur Geltung kam. Jetzt zeigt er mit Wucht, was in ihm steckt. Es ist ein richtiger Asskick in Richtung seines Bruders. Sieh mal, was für eine Kraft wir haben!

Der Opener „Mary the Gypsy“ macht gleich mit fetten Gitarrenriffs klar, dass Robinson nicht die Absicht hat, sein Rock-Erbe aufzuweichen. Der Song ist Riff-basiert und treibend. Der Titeltrack „High Water“ und das letzte Stück „Open Up“ sind starke Stücke, die eine gewisse Melodieentwicklung haben, die sehr an Led Zeppelin erinnert, hypnotisch und bezaubernd. Ausgehend von einem lockeren psychedelischen Akustikbeginn geht es immer weiter in Richtung dröhnendes Rockstück mit mitreißenden stimmlichen Wechselspielen, die jede Menge Emotionen ausspielen.

Erinnerung an Jimmy Page

Auch „Take It All“ erinnert mit seiner kantigen, aggressiven Grundstimmung an Jimmy Page und verfügt darüber hinaus über eine sehr starke Lead-Vocal-Performance. Schön dreckig!

„Send Me an Omen“ ist ein klassischer Bluesrock, schwer, mit exzellenten Harmonien, ein paar progressive Taktarten und einer verschlissenen Leadstimme. Akustische beginnt „For The Wind“, aber beim ersten Refrain wird es zu einem schrillen elektrischen Blues. „Sister Moon“ ist eine klavierbasierte Verschmelzung von Blues und melodischem Pop, die mit einer glatteren Stimme und entzückenden Harmonien versehen ist.

„Colour Blind“ übermittelt eine starke antirassistische Botschaft, gehört aber musikalisch eher zu den schwächeren Stücken. Das gleiche gilt für „Walk on Water“, eine Tom Petty / Dylan-artige Komposition. Ein wenig belanglos. „You Found Me“ ist die Liebeserklärung der Band für Countrymusik, eine wunderschöne Country-Ballade mit exzellenter Leadstimme.

Die Band kehrt auf „Can You See“ zu einem bekannteren elektrischen Blues-Rock zurück. Heavy und langsam, stark an die Stones erinnernd, ein starker Power-Blues mit einem ungewöhnlichen Sound-Effekt in der Mitte. Der Abschlusstrack „Open Up“ ist basierend auf einem düsteren, langsamen Gitarrenriff, mit Überraschungspausen und aufsteigenden Vokalharmonien. Ein großartiger Song.

Der Nachfolger „High Water II“ ist für 2019 geplant. Wir freuen uns schon.