John Mayall: Vor allem an der Harp bekommt er noch wilde Ausbrüche

John Mayall 2017 in der Kantine Köln. FOTO: Peter "Beppo" Szymanski

John Mayall, der Godfather des weißen, britischen Blues, zieht immer noch. Die Kölner Kantine ist brechend voll, die Leute stehen und sitzen bis ins Treppenhaus. Seit mehr als 50 Jahren ist der Mann im Dienste des Blues unterwegs, zuletzt habe ich ihn 2006 in der Bonner Harmonie mit dem fantastischen seines Gitarristen Buddy Whittington gesehen. Und davor 1997 bei den Leverkusener Jazztagen, wo er fulminant aufspielte, Ende der 1970er Jahre in Bonn, wo wir vor Ehrfurcht fast niederknieten. Mayall ist jetzt 83 Jahre alt, und die Jahre sind nicht spurlos an ihm vorübergezogen.

Die Stimme ist schon recht brüchig, und am Piano überzeugt er diesmal mehr als an der Gitarre, an der er sich manchmal fast etwas zu verlieren scheint. Dennoch strahlt der Mann immer noch eine ungewöhnliche Energie, eine spürbare Liebe zur Musik aus. Schade ist, dass Rocky Athas nicht dabei war. Den Gitarristen hat Mayall nach den Aufnahmen zur jüngsten Platte wieder aus der Band gezogen. Mayall kam also mit Greg Rzab (Bass) und Jay Davenport (Drums). Athas hätte dem Programm sicher gut getan.

Greg Rzab FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Im Januar hatte Mayall ja sein mittlerweile 66. Studioalbum herausgebracht, und „Talk About That“ kann sich durchaus hören lassen. In der Kantine spielt er indes nur „Don’t Deny Me“, wobei er eine schöne Mundharmonika über dynamische Bassläufe spielt. Mayall ist ja bekannt dafür, dass er praktisch jeden Abend ein anderes Set spielt. Diesmal hat er hauptsächlich ältere Stücke auf der Setlist.

Als Opener gab es mit „Streamline“ einen Klassiker vom 1967er Album „Crusade“ , dem mit „Big Town Playboy“ ein neues Stück (2014) folgte. Bei „Moving On“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr (1973) wurde die Schwäche des Trios deutlich: Rocky Athas fehlte einfach.

Dennoch. Der Mann, der mit den Bluesbreakers bekannt wurde, der mit Leuten wie Eric Clapton, John McVie, Peter Green und anderen Musikgeschichte schrieb, gewann dann spätestens mit „Don’t Deny Me“ das Publikum. Und auch „Demons In The Night“ ( „Stories“, 2002) ging mit seinem trüben Keyboardspiel  ziemlich unter die Haus. „Moving Grooving Blues“ ist eines der Stücke, die rhythmisch und atmosphärisch rockiger abgehen, was sich auch für ein Schlagzeugsolo anbot.

Jay Davenport FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Nach dem eher ruhigen „Special Life“, auf dem Rzab ein ziemlich überzeugendes Basssolo spielte, kam „Dancing Shoes“ („Padlock On The Blues“,1999), ziemlich jazzig rüber. „Early In The Morning“ („Along For The Ride“, 2001), dessen Refrain vom Publikum eifrig mitsang, hatte auch ein paar eher skurrile  Momente: Mayall mochte hier nicht unbedingt an der Gitarre überzeugen. Das machte er aber bei „Chicago Line“ (1988) mit der Harp wieder wett – für mich das Highlight des Abends.

Zur Zugabe gab es mit „Room To Move“ einen der bekanntesten Mayall-Songs: Auch hier spielte der Altmeister eine überaus wilde Harp.