Was für ein Statement: DeWolff und ihr Album „Tascam Tapes (No drum kit, no Hammond and no guitar amps)“

DeWolff FOTO: Promo/Satellite June

Beim ersten Durchhören ist man erst mal ziemlich überrascht. Das ist DeWolff? Aber dann packt es den Zuhörer – und lässt ihn nicht mehr los. Gitarrist und Sänger Pablo van den Poel, sein Bruder Luka (Schlagzeug) und Robin Piso (Keyboards, Bass) legen mit „Tascam Tapes (No drum kit, no Hammond and no guitar amps)“ ein sagenhaft starkes Album vor – zwischen Bluesrock, Soul, R’n’B und Disco. Disco? Ja, die Vintagerocker aus den Niederlanden haben ihre Liebe für die 70er Jahre auf eine neue Spitze getrieben – mit sensationellem Ergebnis.

Der Opener „Northpole Blues“ rattert in zwei Minuten auf einem verzerrten Drum-Loop und flauen Gitarrenlinien aus den Boxen. „Blood Meridian I“ jamt wie eine Liebeserklärung an Sly Stone und John Lee Hooker. „It Ain’t Easy“ ist ein luftiger Verführer mit einem eingängigen Refrain und einem wunderschönen Gitarrensolo.  „It Ain’t Easy“ flackert nur so vor tausend Sternchen der Discokugel. Aber „Rain“ packt dich derart am Herzen, dass du den Song am liebsten auf Dauerschleife legen willst. Aber machen wir uns nichts vor. Der Erfolg liegt vor allem in den vokalen Stärken von Sänger Pablo van den Poel. Der Mann hat eine so charismatische Stimme voller Ecken und Kanten. Ein echtes Pfund für das Trio.

Aber das allein würde sicherlich nicht reichen. Die Songs sind sparsam, aber effektiv instrumentiert. In „Rain“ bohrt sich die zurückhaltende Slidegitarre gemächlich in die Gehörgänge. „Made It To“ hat so einen lässigen Groove, als käme er direkt aus dem Jahr 1971 von den Isley Brothers.

Nach ihrer zuletzt kolossalen Deep Purple-Verbeugung hat die Band ihre Marshall-Türme und Donnertrommeln durch Spielzeug-Keyboards, Digital Loops und einem Cassettenrekorder ersetzt und ihr siebtes Album für 50 Dollar aufgenommen – auf dem Rücksitz ihres Autos, mit dem sie im vergangenen Jahr von Gig zu Gig gefahren sind.  Die selbst auferlegte Askese ist weit davon entfernt, billig zu klingen, sondern hat wohl eher noch ihre Kreativität und Lust am Songwriting gestärkt – und zu einem absoluten Juwel geführt.

Von Motown beeinflusst

Pablo van de Poel, Sänger und Gitarrist, erklärt das Konzept. „Es wurde in winzigen beengten Räumen wie der Rückseite unseres Tourenwagens oder irgendwo hinter der Bühne aufgenommen. Deshalb mussten wir tragbare Geräte wie einen Drum-Sampler und einen Pocket-Synthesizer verwenden, damit es funktioniert.“

Überall, nur nicht im Studio: DeWolff FOTO: PROMO

Das Ergebnis ist ein funkiger, eingängig, von Motown beeinflusster Rock’n’Soul, er klingt nach Straße, nach Schlaghosen, Dicolicht. Kurz: nach 70ern. „Am I Losing My Mind“, das vorletzte Stück auf dem Album packt den Zuhörer nochmal mit einer hingebungsvollen, knarzigen Ballade bevor sich die Band mit einem mundharmonikabegleiteten Bluesrocknummer „Life In A Fish Bowl“ – mit Arthur Akkermans von der mit DeWolff befreundeten niederländischen Band Grand East an der Mundharmonika – verabschiedet. Ein tolles Statement für die Abkehr von der Welt der überproduzierten und hochtechnologisierten Musikbranche.

DeWolff FOTO: Promo/Satellite June

Live Dates:

JAN 11: NL – Amsterdam, Paradiso 
FEB 20: ES – Madrid, Sala Caracol
FEB 21: ES – Zaragoza, Sala Lopez
FEB 22: ES – Barcelona, La Nau 
FEB 29: BE – Brussel, AB
MAR 10: AT – Graz, PPC
MAR 12: AT – Vienna, Chelsea 
MAR 13: DE – Munchen, Backstage 
MAR 14: DE – Dresden, Beatpol 
MAR 15: DE – Berlin, Musik & Frieden
MAR 17: DE – Hamburg, Uebel & Gefährlich
MAR 18: DE – Hannover, Indiego Glocksee 
MAR 19: DE – Cologne, Stadtgarten
MAR 20: DE – Frankfurt, Das Bett 
MAR 21: DE – Stuttgart, Im Wizemann