Dream Theater „Quarantième: Live à Paris“: Triumph in Dolby Atmos – Ein Jubiläum, das Maßstäbe setzt

Dream Theater Live 24 FOTO: Wolfe Elit

Von Dylan C. Akalin

Vier Jahrzehnte Bandgeschichte sind im Progressive Metal kein bloßes Zahlenspiel, sondern ein Belastungstest für Relevanz, Virtuosität und Zusammenhalt. Dass Dream Theater – Quarantième: Live à Paris all das nicht nur dokumentiert, sondern zelebriert, macht dieses Jubiläumsdokument zu weit mehr als einer routinierten Live-Veröffentlichung. Es ist eine Standortbestimmung – technisch brillant, emotional aufgeladen und programmatisch klug kuratiert. Und wer sie auf dieser Tour schon live erlebt hat, weiß, dass diese Band einfach h der Hammer ist.

Aufgenommen in der ausverkauften Adidas Arena, fängt das Album die Energie der 40th-Anniversary-Tour in einer Qualität ein, die dem Anspruch der Band gerecht wird. Der Sound – veröffentlicht über InsideOut Music in Kooperation mit Sony Music – ist druckvoll, transparent und in der Dolby-Atmos-Abmischung geradezu luxuriös. Jede Nuance von John Myungs Bassläufen, jedes filigrane Keyboard-Layer und jede rhythmische Verschiebung im Schlagzeug sind klar ortbar, ohne dass der Live-Charakter steril wirkt.

Die Rückkehr der klassischen Besetzung

Der eigentliche emotionale Kern dieses Mitschnitts liegt jedoch in der wiedervereinten „klassischen“ Formation. Mit James LaBrie am Mikrofon, John Petrucci an der Gitarre, John Myung am Bass, Jordan Rudess an den Tasten und Mike Portnoy hinter dem Kit steht jene Konstellation auf der Bühne, die das Selbstverständnis der Band über Jahrzehnte geprägt hat. Besonders Portnoys Rückkehr verleiht dem Zusammenspiel eine spürbare Dynamik: Die rhythmischen Akzente wirken kantiger, die Interaktion spontaner, das Zusammenspiel organischer als in vielen vorherigen Tourzyklen.

LaBrie präsentiert sich stimmlich stabil und kontrolliert. Während er in früheren Jahren mitunter um die hohen Register kämpfen musste, klingt er hier fokussiert und klug disponiert. Petruccis Gitarrensound ist – wie zu erwarten – makellos: singende Leads, messerscharfe Riffs und ein Ton, der selbst im dichtesten Arrangement nicht an Definition verliert. Rudess wiederum füllt die klanglichen Räume mit orchestraler Wucht, ohne in bloße Virtuosen-Demonstration zu kippen.

Setlist als Zeitreise

Die Setlist spannt einen weiten Bogen durch das Œuvre der Band. „Metropolis Pt. 1“ bleibt ein dramaturgisches Monument – komplex, hymnisch, mit jener Mischung aus Präzision und Pathos, die Dream Theater einst zur Speerspitze des Genres machte. „Panic Attack“ zeigt die modernere, härtere Facette, während „Octavarium“ als episches Herzstück des Abends die dramaturgische Geduld des Publikums belohnt. Natürlich darf „Pull Me Under“ nicht fehlen – jener Song, der Anfang der 1990er Jahre den Durchbruch markierte und bis heute als kollektiver Live-Katalysator funktioniert.

Was diesen Mitschnitt von früheren Live-Alben unterscheidet, ist weniger die Songauswahl als die spürbare Feierlichkeit des Moments. Zwischen Band und Publikum herrscht eine beinahe familiäre Atmosphäre. Die Ansagen sind knapp, aber herzlich; die Reaktionen des Pariser Publikums enthusiastisch, ohne den musikalischen Fluss zu stören.

Klang, Bild und Ästhetik

Visuell wird das Paket durch das Artwork von Hugh Syme veredelt, dessen langjährige Zusammenarbeit mit der Band auch hier eine stilistische Kontinuität garantiert. Die Deluxe-Edition mit umfangreichem Fotomaterial unterstreicht den Archivcharakter der Veröffentlichung. Doch es ist vor allem die audiovisuelle Umsetzung, die Maßstäbe setzt: Die Blu-ray-Präsentation wirkt cineastisch, die Bildregie fängt sowohl instrumentale Detailarbeit als auch die Größe der Arena ein.

Technisch bewegt sich das Ganze auf Referenzniveau. Der Mix balanciert Wucht und Transparenz, die Dynamik bleibt erhalten, und selbst in den dichtesten Passagen – etwa während der polyrhythmischen Eskalationen – bricht nichts auseinander. Für audiophile Hörer dürfte insbesondere die Atmos-Version zum Argument werden.

Virtuosität, Emotionalität und Leidenschaft

„Quarantième: Live à Paris“ ist kein nostalgischer Rückblick, sondern eine selbstbewusste Bestätigung der eigenen Relevanz. Die Band demonstriert, dass Virtuosität und Emotionalität keine Gegensätze sind – und dass Progressive Metal auch nach vierzig Jahren noch überraschen kann, wenn die Chemie stimmt – und wenn man genug Leidenschaft in sich hat, um die Fans jeden Abend zu beglücken.

Ob als luxuriöses Sammlerstück oder als digitales Live-Erlebnis: Dieses Jubiläumsdokument ist nicht nur für eingefleischte Fans Pflichtprogramm, sondern auch eine eindrucksvolle Visitenkarte einer Band, die ihr Erbe nicht verwaltet, sondern immer noch mit Leidenschaft auflädt.

Tracklist Quarantième: Live à Paris: 

CD1:

  1. Metropolis Pt. 1
  2. Overture 1928
  3. Strange Déjà Vu
  4. The Mirror
  5. Panic Attack
  6. Barstool Warrior
  7. Hollow Years
  8. Constant Motion
  9. As I Am

CD2:

  1. Orchestral Overture
  2. Night Terror
  3. Under A Glass Moon
  4. This Is The Life
  5. Vacant
  6. Stream of Consciousness
  7. Octavarium

CD3:

  1. Home
  2. The Spirit Carries On
  3. Pull Me Under

 
Blu-ray 1:
1.           Metropolis Pt. 1
2.           Overture 1928
3.           Strange Déjà Vu
4.           The Mirror
5.           Panic Attack
6.           Barstool Warrior
7.           Hollow Years
8.           Constant Motion
9.           As I Am
 
Blu-ray 2:
1.           Orchestral Overture
2.           Night Terror
3.           Under A Glass Moon
4.           This Is The Life
5.           Vacant
6.           Stream of Consciousness
7.           Octavarium
8.           Home
9.           The Spirit Carries On
10.         Pull Me Under