Zwischen Sehnsucht und Aufbruch: Lazuli gehen mit „Être et ne plus être“ auf Tour – und machen auch Station in Bonn

Lazuli 2019 auf der Loreley FOTO: Peter "Beppo" Szymanski

Solange es leider keine Neuigkeiten zu einer möglichen Fortführung des Night of the Prog Festival gibt, richtet sich Win Völkleins Blick auf eine Band, die am Felsen der Loreley längst Heimatrechte genießt: Lazuli. Kaum eine andere Formation wurde in den vergangenen Jahren vom Festivalpublikum so geschlossen ins Herz geschlossen wie die fünf Franzosen – nicht zuletzt wegen ihrer intensiven, emotional aufgeladenen Auftritte zwischen Artrock, Chanson, Weltmusik und sinfonischer Weite.

Mit ihrem neuen Album „Être et ne plus être“ kommen Lazuli im März und April 2026 auf ausgedehnte Tour – und wollen genau jene Magie entfalten, die sie auf der Loreley zu einer der beliebtesten Bands des Line-ups gemacht hat. Ihre Konzerte sind keine bloßen Darbietungen, sondern Reisen: durch fragile Melancholie, hymnische Aufbrüche und jene schwer zu greifende Mischung aus Zerbrechlichkeit und Pathos, die Lazuli seit jeher auszeichnet.

Die Tourdaten 2026

  • 10.03.26 – Pratteln (CH), Z7
  • 11.03.26 – Bonn (GER), Harmonie
  • 12.03.26 – Verviers (B), Spirit of 66
  • 13.03.26 – Uden (NL), De Pul
  • 14.03.26 – Zoetermeer (NL), Boerderij
  • 15.03.26 – Dortmund (GER), Piano
  • 17.03.26 – Stuttgart (GER), Im Wizemann
  • 18.03.26 – Aschaffenburg (GER), Colos-Saal
  • 19.03.26 – Nürnberg (GER), Hirsch
  • 21.03.26 – Neunkirchen (GER), Gebläsehalle (bestuhlt)
  • 11.04.26 – Brake (GER), Centraltheater (bestuhlt)
  • 15.04.26 – Alzey (GER), Oberhaus

Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie an der Abendkasse. Die Shows in Brake und Neunkirchen finden bestuhlt statt.

Gerade in Zeiten, in denen Festivalperspektiven ungewiss sind, ist die Unterstützung der Bands umso wichtiger. Lazuli live zu erleben, heißt, das Gemeinschaftsgefühl des Prog-Publikums in die Clubs zu tragen – intim, direkt und mit jener Intensität, die große Open-Air-Momente im Kleinen spiegelt.

Plattenkritik: „Être et ne plus être“ – Die Kunst des Verschwindens

Mit „Être et ne plus être“ legen Lazuli ein Album vor, das sich thematisch zwischen Existenz, Verlust und Transformation bewegt. Schon der Titel – „Sein und nicht mehr sein“ – deutet an, dass hier keine leichte Kost serviert wird. Und doch gelingt es der Band, selbst schwere Themen in schwebende Klanglandschaften zu kleiden.

Musikalisch bleiben Lazuli ihrer unverwechselbaren Handschrift treu: Das charakteristische Léode – jenes von Claude Leonetti entwickelte Saiteninstrument – singt, klagt und leuchtet über vielschichtigen Arrangements. Gitarrenflächen, pulsierende Basslinien und subtile Elektronik verweben sich mit französischem Gesang voller Emotion und Ausdruckskraft.

Die neuen Stücke wirken stellenweise reduzierter, beinahe kammermusikalisch, um im nächsten Moment in hymnische Refrains aufzubrechen. Besonders stark sind jene Passagen, in denen Lazuli Raum zulassen: Pausen, Atem, fragile Melodiebögen. Hier zeigt sich eine Band, die nicht beeindrucken muss, sondern berühren will.

Produktionstechnisch klingt „Être et ne plus être“ warm und organisch, ohne nostalgisch zu wirken. Die Balance zwischen Progressivität und Eingängigkeit bleibt das große Pfund der Franzosen. Komplexe Taktwechsel oder ausufernde Soli stehen nie im Vordergrund – entscheidend ist die Atmosphäre.

Vielleicht ist dieses Album weniger spektakulär als manch früheres Werk, dafür aber konzentrierter, reifer, in sich geschlossener. Es wirkt wie ein Statement der Beharrlichkeit: Solange wir sind, spielen wir. Und selbst wenn etwas vergeht, bleibt die Musik.

Mit „Être et ne plus être“ liefern Lazuli nicht nur den Soundtrack für ihre kommende Tour, sondern ein Werk, das live seine ganze emotionale Wucht entfalten dürfte. Wer die Band auf der Loreley erlebt hat, weiß: Diese Songs werden wachsen.