The Kooks – Zwischen Erinnerung und Erneuerung: „See Me Now“ live als emotionales Manifest – Die Tour startet diese Woche

THE KOOKS FOTO: KINDA, Milano

in Song als Brücke zwischen Generationen – und der Auftakt zu einer triumphalen Europatour

Von Dylan C. Akalin

Es gibt diese seltenen Momente, in denen Popmusik die Grenze zwischen Bühne und Leben auflöst – in denen sich Privates und Publikum, Schmerz und Schönheit, zu etwas Größerem verweben. Einen solchen Moment haben The Kooks mit „See Me Now (Live at the O2 Arena, London)” festgehalten.

Fast zwanzig Jahre nach ihrem Debüt Inside In/Inside Out – einem der prägenden Alben des britischen Indiepops – klingen die Kooks gereifter, tiefgründiger und verletzlicher denn je. Der Song ist mehr als eine Live-Aufnahme. Er ist ein Zwiegespräch zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen einem Sohn und seinem Vater, zwischen Erinnerung und Wiederentdeckung.

Im Schein der Handylichter: Ein stiller Dialog in einer ausverkauften Arena

Der Mitschnitt entstand im Frühjahr 2025, bei einem restlos ausverkauften Konzert in der legendären O2 Arena in London. Bei diesem Song, so berichten Fans, wurde es plötzlich still. Luke Pritchard saß allein am Klavier, eine Arena voller Menschen – und doch wirkte alles wie ein intimer Moment. „See Me Now“ war einst ein stilles Stück des 2014er-Albums Listen, doch erst jetzt, elf Jahre später, entfaltet die Ballade ihre ganze Bedeutung.

Sie ist Pritchards Brief an seinen verstorbenen Vater. Ein Song über Verlust, über das Erwachsenwerden ohne den Menschen, der einem den Weg zeigen sollte. „Would you be proud?“ – diese Frage hallt in der O2 Arena nicht nur über die Lautsprecher, sie trifft ins Herz.

„Es gibt eine neue Bedeutung in diesem Song, seit ich selbst Kinder habe“, erklärt Pritchard heute. „Musik war für mich immer der Draht zu meinem Vater. Als ich dann alte Videos von uns sah, wurde mir klar, dass Musik unsere Sprache war. Die Reaktion der Fans – wie sehr sie sich darin wiederfinden – war einfach überwältigend.“

Wenn Musik zum Familienalbum wird

Dass der Song nun auch ein eigenes Musikvideo bekommen hat, ist dem britischen Regie-Altmeister Julien Temple zu verdanken – dem Mann, der schon die Sex Pistols und The Clash filmisch in Szene setzte. Temple war zunächst nur für kurze Social-Media-Clips angefragt, doch nach dem Hören der O2-Version war ihm klar, dass die Geschichte größer war.

Er montierte altes Super-8-Material aus Lukes Kindheit, Ausschnitte des Originalvideos von 2014 und aktuelle Konzertbilder zu einer Art filmischem Familienalbum. Drei Zeitebenen, ein Herzschlag. „Ich wollte Lukes Beziehung zu seinem Vater visuell greifbar machen“, sagt Temple. „Diese Mischung aus persönlicher Trauer und öffentlicher Heilung hat mich sofort gepackt.“

Das Ergebnis ist berührend: kein bloßes Musikvideo, sondern ein Fenster in eine Seele – und ein Beweis, dass die Kooks längst an einem Punkt sind, an dem ihre Songs mehr sind als Pop-Melodien. Es sind Lebenszeugnisse.

Mitreißend und zeitlos – die Kooks auf Europatour

Mit diesem Song im Gepäck starten The Kooks nun ihre große Europatour 2026, die am 5. Februar in Luxemburgbeginnt und sie quer durch den Kontinent führt – viele Dates sind bereits ausverkauft. Wer Luke Pritchard, Hugh Harris und ihre Band live erlebt, spürt: Hier spielt eine Gruppe, die gewachsen ist, ohne ihren Charme zu verlieren.

THE KOOKS FOTO: KINDA, Milano

Und spätestens, wenn „Naive“ oder „She Moves in Her Own Way“ das Publikum in einen Chor verwandeln, verschwimmen die Jahre. Doch zwischen all den Klassikern fügt sich „See Me Now“ wie ein reifer, emotionaler Ruhepunkt ein – das Herzstück eines neuen, reflektierten Bandsounds.

Im Sommer folgt der nächste Höhepunkt: Das 20-jährige Jubiläum von Inside In/Inside Out wird mit großen Open-Air-Shows gefeiert – unter anderem in Delamere Forest, beim Isle of Wight Festival und in der Piece Hall in Halifax. Es ist eine Rückkehr dorthin, wo alles begann – und ein Zeichen: Die Kooks sind keine Nostalgieband. Sie sind das lebendige Beispiel dafür, wie Pop reifen kann, ohne seine Seele zu verlieren.

Nach dem Erfolg ist vor dem nächsten Kapitel

Auch das vergangene Jahr war ein Triumph. Mit „Never/Know“, ihrem siebten Studioalbum, stiegen The Kooks auf Platz fünf der UK-Albumcharts ein – so hoch wie seit 2008 nicht mehr. NME nannte es „the new era of The Kooks“ – eine Ära, die von Mut, Aufrichtigkeit und einer nie versiegenden Neugier geprägt ist.

Derzeit arbeitet die Band mit Tony Berg (Phoebe Bridgers, Beck) an einem neuen Werk, das laut Pritchard „psychedelischen Rock’n’Roll mit erzählerischer Tiefe“ verbinden soll. Wer die Entwicklung der letzten Jahre verfolgt, weiß: Das könnte der nächste große Schritt sein.

Tourdaten – The Kooks live 2026

    1. Februar – Rockhal (Esch-sur-Alzette, Luxemburg)
    1. Februar – De Roma (Antwerpen, Belgien) – ausverkauft
    1. Februar – Zenith (Paris, Frankreich)
    1. Februar – Ancienne Belgique (Brüssel, Belgien) – ausverkauft
    1. Februar – Sentrum Scene (Oslo, Norwegen) – ausverkauft
    1. Februar – Annexet (Stockholm, Schweden)
    1. Februar – Den Grå Hal (Kopenhagen, Dänemark) – ausverkauft
    1. Februar – Columbiahalle (Berlin, Deutschland) – ausverkauft
    1. Februar – Sporthalle (Hamburg, Deutschland)
    1. Februar – AFAS Live (Amsterdam, Niederlande)
    1. Februar – Zenith (München, Deutschland)
    1. Februar – Jahrhunderthalle (Frankfurt, Deutschland)
    1. Februar – Palladium (Köln, Deutschland) – ausverkauft
    1. Februar – Gasometer (Wien, Österreich)
    1. Februar – Haus Auensee (Leipzig, Deutschland)
    1. Februar – Forum Karlín (Prag, Tschechien)
    1. Februar – X-TRA (Zürich, Schweiz) – ausverkauft
    1. Februar – Fabrique (Mailand, Italien)
    1. März – Razzmatazz (Barcelona, Spanien) – ausverkauft
    1. März – La Riviera (Madrid, Spanien) – ausverkauft
    1. März – Pelícano (A Coruña, Spanien)
    1. März – Sagres Campo Pequeno (Lissabon, Portugal)

Mit „See Me Now (Live at the O2 Arena, London)” gelingt The Kooks ein Kunststück: ein Song, der intim und episch zugleich ist, verletzlich und doch triumphal. Er ist die Rückkehr einer Band, die gelernt hat, dass echte Größe nicht im Lauten liegt – sondern in der Ehrlichkeit, mit der man seine Geschichte erzählt.