Tag zwei bei Rock am Ring 2024: Was Keanu Reeves zu wenig hat, hat Babymetal vielleicht zu viel – und was es noch zu sehen und hören gab

Keanu Reeves von Dogstar bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Von Peter „Beppo“ Szymanski

Man kann über die Donots sagen, was man will. Aber eins muss man den Alternative-Rockern aus Ibbenbüren lassen: Sie sind die absoluten Stimmungsmacher. „Hier geht es nicht drum, was kann Rock für Euch tun, sondern: Rock, was kann ich für dich tun? Hände hoch, ich will die komplette Hingabe! Denn wir sind weisungsbefugt!“, ruft Ingo Knollmann von der Hauptbühne zu den Massen. Und lässt sich dann auch noch in einem pinkfarbenen Mini-VW über den Köpfen der Fans hinwegtragen. Irre!

Zuvor erleben wir einen Schock an der Mandora Stage. Wo sind all die Fans? Bei 311 und The Last Internationale waren gefühlt nur ein paar hundert Leute. Dabei waren die beiden Bands richtig klasse. 311 ist eine pulsierende Feier von Rock, Rhythmus und Sound. Die 1988 in Omaha, Nebraska, gegründete Band hat eine genreübergreifende Mischung aus Rock, Reggae und Rap gefunden und damit ein einzigartiges Klanggeflecht geschaffen, das gerade live toll zum Ausdruck kommt. Schade, dass sich den tollen Auftritt von Leadsänger und Gitarrist Nick Hexum, Sänger SA Martinez, Tim Mahoney (Gitarre), Bassist Aaron Charles Wills alias P-Nut und Drummer Chad Sexton so wenige nur angeschaut haben.

THE LAST INTERNATIONAL bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Das gilt auch für die US-amerikanische Band The Last Internationale von Gitarrist Edgey Pires und Sängerin Delila Paz, die bekannt für ihre sozialkritischen Texte sind und zuletzt Extreme auf der Tour supportet haben. „Killing Fields“ fängt mit diesen an Hubschrauber erinnernden Donner an und die Zeilen hallen unterstützt von rockigen Riffs über dem Platz: „Power is power no matter who’s on top, ay!/You think that flower power will make them stop/Bang, bang, bang, baby, here come the cops“: Stark!

Green Day, Billy Talent und Broilers

Der Samstag ging mit einem dichten Programm zu Ende. Die Headliner standen bis in die Nacht auf der Bühne. Green Day, den denen wir zuletzt doch etwas enttäuscht waren, scheinen neuen Elan zu haben. Der Auftritt war voller Dynamik und Spiellust. Ebenso Billy Talent mochte die Fans begeistern. Die Broilers machten spät nachts musikalisch das Licht aus.

Dogstar bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Zuvor haben wir uns noch Dogstar mit Keanu Reeves am Bass angeschaut. Der Hollywoodstar gab sich gewohnt zurückhaltend und spielte einen richtig guten, vorwärtstreibenden Bass. Bei Dogstar steht Frontmann Bret Domrose im Vordergrund – jedenfalls musikalisch. Die Augen sind indes auch nicht auf Schlagzeuger Robert Mailhouse gerichtet. Jeder will vor allem den Mann mit dem Bass sehen. Reeves sprach nicht ein einziges Mal zum Publikum, was nicht weiter überraschend war – und irgendwie auch sehr sympathisch. Die Tatsache, dass er sich in einer Nebenrolle so wohl fühlt, spricht für seinen Ruf, kein großer Egomane zu sein.

Die Mischung aus Post-Grunge und Alternative-Rock kann sich aber bald so durchsetzen, dass die Fans mitgehen. Domroses Gesang und mit Falsett und einigen schönen Übergängen schafft es dann auch, die Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen.

Pendulum und The Interrupters

Die Rebellen Pendulum aus Perth überraschen mit ihrer einzigartigen Mischung aus rauem Rock, Industrialsounds und melodischem Drum and Bass.

PENDULUM bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Die Ska-Punker The Interrupters sorgen für jede Menge Deja Vus in die später 70er und frühen 80er Jahre des aufkommenden melodischen Punks. Die lyrischen Inhalten drehen sich oft um Themen wie psychische Gesundheit und Hochstapler-Syndrom. Jedenfalls im Album „In the Wild“, aus dem die Kalifornier vier Songs präsentieren. Wenn man The Interrupters hört, ist es, als würde man mehrere Bands auf einmal hören. „Kiss the Ground“ klingt ein wenig nach den alten The Slackers. Ein unterhaltsamer Auftritt war es jedenfalls.

THE INTERRUPTERS bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Babymetal

Mit einem Gewitter aus Sounds und Drums startet Babymetal ihr Konzert. Die japanische Kawaii-Metal-Band aus den Sängerinnen und Tänzerinnen Suzuka Nakamoto, Moa Kikuchi und Momoko Okazaki und ihrer Begleitband namens Kami Band hat sich rasch einen Kultstatus erspielt. Der lässt sich nur erahnen, wenn man die Band live erlebt hat. Die Frauen inszenieren sich zu rasend schnellen Gitarrenlinien und donnernden Metal-Bässen und -Drums.

THE LAST INTERNATIONAL bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski
THE INTERRUPTERS bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski
THE INTERRUPTERS bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski
THE INTERRUPTERS bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski
PENDULUM bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski
PENDULUM bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski
PENDULUM bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski
Dogstar bei Rock am Ring FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski