Lucia Cadotsch und AKI: Ein Debütalbum voller Intimität, weiblicher Perspektiven und kollektiver Klangpoesie

Lucia Cadotsch beim Jazzfest Bonn 2019 FOTO: Dylan Cem Akalin

Lucia Cadotsch hat mit AKI ein neues Projekt gegründet, um ein berührendes Debütalbum zu schaffen, voller Musikalität und gefühlvoller Kompositionen, die von Cadotschs somnambulen lyrischen Erkundungen getragen werden.

AKIs Debut ist in einem kollektiven Kompositionsprozess entstanden bei dem jedes Stück durch die musikalische Brille jedes einzelnen interpretiert und gestaltet wurde, so dass alle ihren Raum bekommen, individuell glänzen und dabei trotzdem zusammen die Komposition zur Geltung bringen. Die Band trägt die Sängerin auf eine umarmende Art, eine emotionale Erfahrung, mit einem so unterstützenden Team von „Leuten zu arbeiten, die mir wirklich zuhören und mir vertrauen“, sagt Cadotsch. Dass die Platte so klingt, wie sie klingt, liegt auch an Chris Karantzas, Mixing- und Mastering-Engineer des Albums, der mit grosser Hingabe dazu beigetragen hat, den Vibe und Charakter jeder Komposition von AKIs Debüt klanglich herauszuschälen und zu formen.

Textlich zelebriert Cadotsch auf dem Album Perspektiven weiblicher Protagonistinnen und reflektiert darin ihre eigenen Erfahrungen als Bandleaderin in einer eher männlich hetero-normativ dominierten Musikszene. Der Album-Opener „I Won’t“ ist eine Reihe von Grenzen setzenden Proklamationen, die Cadotsch mit der für sie typischen emotionaler Direktheit und Klarheit singt. In „Ballad of the Drowned Girl“ reanimiert Cadotschs Phrasierung die viszerale Brecht/Weill-Mordballade der revolutionären Sozialistin und Anti-Kriegsaktivistin Rosa Luxemburg zu einem berührenden Denkmal. In „Medusa’s Champagne“ verwandelt sie die furchterregende mythologische Figur der Medusa in ein Wesen der Sinnlichkeit.

Lucia Cadotsch zog 2002 im Alter von 18 Jahren, mit dem Nachtzug und nur mit einem Koffer und Fahrrad bestückt nach Berlin, wo sie sofort in die pulsierende Musikszene eintauchte. Dort lernte sie auch Living-Legend Kurt Rosenwinkel aus Philadelphia kennen, der später ihr Mentor wurde und sie schliesslich letztes Jahr auf sein Label Heartcore holte. Mit ihm zusammenzuarbeiten war für sie ein langjähriger musikalischer Traum. Rosenwinkel ist als featured Gast an der Gitarre auf „Bitter Long Lying Leisure“ und „Medusa’s Champagne“ zu hören. In „Medusa’s Champagne“ gibt es einen Moment, in dem Rosenwinkels Solo sich unter Cadotschs Stimme setzt und ihre Refrainmelodie zitiert. Es ist ein subtiler Moment, der Cadotschs langen musikalischen Weg leise unterstreicht. Sie hat unermüdlich und kompromisslos an ihrem Sound gearbeitet, und wie Rosenwinkel stehen wir hinter ihr, und wir hören ihr zu.