Letzter Abend des Crossroad Festivals in Bonn mit The Jeremy Days und Silvershark

The Jeremy Days in der Harmonie Bonn FOTO: Peter "Beppo" Szymanski

Der letzte Abend des Crossroads Festivals, das der WDR Rockpalast in der Harmonie Bonn an vier Tagen ausgerichtet hat, ist auch der schwächste. The Jeremy Days gewinnen die Gunst des Publikums zwar als Indie-Pop-Band, Silvershark indes können nicht überzeugen.

Von Dylan C. Akalin

Der seelengute Indie-Pop war schon damals in den Achtzigern das Erfolgsrezept der Hamburger Band The Jeremy Days um Sänger und Songschreiber Dirk Darmstädter. Dass sie immer noch auf dieses Rezept aufbauen, zeigt „Breathe“ vom neuen Album, das die Truppe als drittes Stück aufführen. Es ist von der Art Musik, in der auf unbekümmerte Art britischer Pop mit leichten Nuancen von Country gemischt wird und durchaus den Fuß wippen lassen. Schon beim Beginn von „Julie Thru The Blinds“ zeigt das Publikum, darunter offenbar viele Fans der ersten Stunde und auffallend viele Frauen, dass sie sehnlichst auf die alten Stücke des damals so erfolgreichen Albums warten.

Dirk Darmstädter und The Jeremy Days in der Harmonie Bonn FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

„Are You Inventive?“, die erste Single der Band aus dem Jahr 1988 hat im neuen Arrangement den damals so typischen überproduzierten knackigen New Wave-Sound verloren und klingt wohltuend voll, fast ein wenig orchestral, indes offenbart Darmstädter bei dem nicht einfach zu singenden Song zu Beginn ein paar kleine harmonische Schwächen, die er dann indes im Verlauf des Songs wieder wettmacht.

Keine Frage, The Jeremy Days machen gut produzierten Pop mit prägnanten Melodien. Und Darmstädter ist ein sympathischer Frontmann, der seine Leidenschaft und Freude am Live-Auftritt überzeugend rüberbringt. Das Publikum spürt das und ist entsprechen euphorisch dabei, bei jedem Stück. Mit der Ballade „For The Lovers“ zeigt Darmstädter dazu, dass er immer noch weiß, Emotionen musikalisch auszudrücken. Übrigens: Wirklich begeistert hat mich Gitarrist Jörn Heilbut, der nicht nur hier ein wunderschönes Solo spielt.

Einfach klasse: Gitarrist Jörn Heilbut mit The Jeremy Days in der Harmonie Bonn FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Schon bei den ersten Akkorden auf der akustischen Gitarre von Darmstädter wissen die eingefleischten Fans, jetzt kommt „Brand New Toy“. Den wohl bekanntesten Song haben The Jeremy Days gut ins 21. Jahrhundert rübergebracht. Er klingt vielleicht sogar frischer als je. Er hat heute eine leichte Melancholie drin, was dem Song unheimlich gut tut. Den müsste die Band nochmal so als Single rausbringen!

Silvershark

Knarzend beginnt das Konzert von Silvershark, die den Abend eröffnen. Dann aber steht die in Weiß gekleidete Band auf der Bühne und startet ihr Seventies-Disco-Programm. Sogar der Keyboardsound ist… äh… entsprechend. Wenn Gitarrist Marco Rischer beim Opener „I Give You Love“ nicht auf seiner abgewetzten Fender ein himmlisches Solo gespielt hätte, hätte man leicht von einer Parodie sprechen können. Denn tatsächlich ist das Projekt Silvershark aus einer Schnapsidee heraus entstanden. Steve Burner (u.a. Travelin Jack) und Keyboarder Richard Behrens (Heat, Samsara Blues Experience) haben bei einem Konzert von Kadaver offenbar über ihre heimlichen Geheimnisse geplaudert, über ihre Vorliebe für den Soul, Funk und 70er Disco. Schon war die Idee geboren.

Silvershark in der Harmonie Bonn FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Sänger Steve Burner, mit Schlaghosen bekleidet, trägt eine leicht getönte Brille und Perlenkette . Er begrüßt dann auch artig die „Zuschauer an den Empfangsgeräten“ und kündigt an: „Wir spielen Tanzmusik für Euch.“ Ein bisschen „Shaft“-Mood kommt beim zweiten Stück „Burn To Boogie“ auf. „Lovetrain“ kommt  erst ein wenig albern daher, aber wieder bringt Gitarrist Marco Rischer den Song mit rockbluesigem Solo auf Spur. Bei der Ballade „Flames Of Your Heart“ hat Burner etwas von einem schmierigen Entertainer. Und wieder weiß man nicht so recht, ist es Parodie oder doch ernstgemeint, als Rischer wieder wo ein Wow-Solo hinlegt. Zum Titel „Nitetime“ tauschen Rischer und Bassist Felix Scholl ihre Instrumente, Burner spielt auf der Korg ein Snthie-Intro und Scholl übernimmt den Gesangspart. Der Song erinnert sehr sehr entfernt als Zappa-Inszenierungen, Scholl verblüfft indes mit einem ziemlich guten Gitarrensolo.

Ein wenig schräg kommt „Sweet Sunshine“ rüber, bei „If You Want Me To Stay“ liegt Sänger Burner teilweise ziemlich daneben. Insgesamt ein wenig überzeugender Auftritt. Silvershark ist sich vielleicht selbst nicht klar, was sie eigentlich wollen: Für eine parodistische Verarbeitung der guten alten Disco-Glanzzeit sind sie nicht konsequent genug, und das gilt auch für ein ernstzunehmendes Konzept.