Zwanzig Jahre Bandgeschichte – und Lansdowne klingen stärker, ehrlicher und emotionaler denn je. „Wish You Well“ vereint Stadionrock mit emotionaler Tiefe – zwischen Wut, Liebe und Befreiung.
Ein Album, das zeigt: Wer loslässt, kann lauter denn je klingen – und eines, aufdem kein einziger Song danebenliegt.
Von Dylan C. Akalin
Die Jungs auf dem Foto sehen aus, als kämen sie grad vom Pumpen aus dem Gym. Und dann lassen wir das Album laufen, und es geht gleich stark und kräftig los mit „Burn It Down“, einer trotzigen Abrechnung mit einer gescheiterten Beziehung – „You built this house only to burn it down“ ist eine eindrucksvolle Metapher. Der Text verbindet Zorn und Klarheit: eine Person erkennt, dass emotionale Abhängigkeit sie selbst vernichtet hat. Die Nummer erinnert thematisch an Shinedowns „Cut the Cord“ – ein Aufbruch durch Loslösung.
Klarheit durch Krach – Lansdowne nach zwanzig Jahren
Zwanzig Jahre sind im Rockgeschäft eine Ewigkeit – und dass eine Band wie Lansdowne daraus kein nostalgisches Denkmal baut, sondern ein vitales, tagesaktuelles Statement, ist ihr größter Triumph. Mit Wish You Well präsentiert sich der Fünfer aus Boston gereift, aber ungebrochen – eine Band, die weiß, wer sie ist, und das mit jedem Riff beweist.
Ihre Musik bleibt melodischer Modern Rock, der an Bands wie Breaking Benjamin, Saint Asonia und Alter Bridge erinnert. Doch Lansdowne klingen ehrlicher, emotionaler und gleichzeitig fokussierter als je zuvor.
Selbstzerstörung, Heilung und der Preis der Ehrlichkeit
Der zweite Song, „Can’t Wish You Well“, markiert den emotionalen Kern des Albums. „The sickness you fight has started infecting me“ – toxische Beziehungen als Infektion, ein brillantes lyrisches Bild. Das Herz sagt „Bleib“, der Verstand sagt „Lauf“ – also: Abschied mit Überzeugung. Der Song steht für den Moment, in dem Selbstschutz wichtiger wird als Sentimentalität. Der Titelsong ist sowas wie die Herzmitte des Albums – introspektiv, mit einer bittersüßen Melodik, die Erinnerungen an Alter Bridge wachruft. Jon Riccis Stimme oszilliert zwischen rauer Verletzlichkeit und stadiontauglichem Druck.

In „Make It A Lie“ geht es um Manipulation und Zermürbung. „You tell me all the things I want to hear again – make it a lie“ – dieser Refrain klingt wie ein Hilferuf, aber auch wie die endgültige Entscheidung, keinen Selbstbetrug mehr zuzulassen. Lansdowne zeigen hier, wie sie Schmerz in Hymnen verwandeln können – nicht jammernd, sondern kämpferisch.
„Rescue“ schlägt dann eine andere Richtung ein: ein Song voller Hoffnung und kathartischer Energie. „Maybe the heroes we’re looking for are staring back at us in the mirror“ – die vielleicht stärkste Zeile des Albums. Es geht um Selbstermächtigung, um die Erkenntnis, dass Erlösung nicht von außen kommt. „Rescue“ schiebt noch einmal kräftig an: eine Rockhymne, getragen von einem Refrain, der nach Live-Mitsingmomenten schreit.
Tiefe Wunden und helles Licht
Mit „Bury Me“ tauchen Lansdowne wieder in dunklere Gefilde ab – Albträume, Selbstzweifel, Enttäuschung. Doch selbst hier bleibt Energie spürbar, kein Selbstmitleid, sondern Bewältigung.
„Now That You’re Gone“ dagegen zeigt die verletzlichste Seite der Band: Reue, Einsicht und bittersüße Akzeptanz. „The man that you needed, I’m finally ready to be – now that you’re gone“ – das klingt so schlicht, dass es sofort wirkt – balladesker Hardrock mit cineastischem Anstrich, irgendwo zwischen der Emotionalität von Red Sun Rising und dem Feingefühl von Lifehouse, ohne die Energie zu verlieren.
Ein Highlight ist „Four Wheel Freedom“: Hier wird Gas gegeben – bildlich wie musikalisch. Eine hymnische Jugenderinnerung, ein Roadtrip durchs Glück. Zwischen Bier, Sonne und Benzin atmet der Song die Freiheit, die vorher gefehlt hat.
„Here To Stay“ bringt dagegen wieder Kampfgeist zurück: „The red that we bleed and the battles we lead – they’ll know we’re here to stay.“ Ein Stück Durchhalteerklärung, das die Bedeutung von Loyalität und Zusammenhalt unterstreicht – sei es in Freundschaft, Liebe oder Bandgeschichte.
Leben, Lust und Luft holen
In „Feel You Coming“ zeigen sich Lansdowne von einer unerwartet sinnlichen Seite. Erotisch aufgeladen, aber nie plump, verpackt in blitzsauberen Rocksound. Geschwindigkeit, Begierde, Körperlichkeit – alles schwingt in dieser Motorenmetapher mit. Das erinnert an Nickelbacks „Animals“, aber geschmackvoller, souveräner umgesetzt.
„Oxygen“ steht dann sinnbildlich für den Wendepunkt des Albums: Befreiung aus der Asche der Vergangenheit. „Finally, I can breathe as I’m rising above the ashes – oxygen“ – ein Moment der Selbstheilung, fast schon spirituell. Nach so viel Dunkelheit klingt das wie das erste echte Durchatmen.
Das Finale „Release Me“ schließt die Platte mit leiser Dramatik: „Will you wake me up from this dream? I’m haunted by memories – release me.“ Ein Schlussgebet, eine Bitte um Frieden. Was als Wut begann, endet in Akzeptanz – der Kreis schließt sich.
Fazit: Lansdowne 2024 – stärker als je zuvor
Wish You Well ist mehr als nur ein Rockalbum – es ist ein Persönlichkeitsmanifest. Eine Reise durch Verlust, Wut, Befreiung und Selbstfindung. Lyrisch wie musikalisch wirken Lansdowne so fokussiert und ehrlich wie nie. Jeder Song knallt, doch keiner bleibt an der Oberfläche.
Vom brennenden Haus über gebrochene Versprechen bis zur letzten Bitte um Erlösung – die Band erzählt hier, ohne Pathos oder Überinszenierung, wie man nach zwanzig Jahren immer noch wachsen kann.
Anspieltipps: Burn It Down, Can’t Wish You Well, Rescue, Oxygen, Release Me
Klingt wie: Breaking Benjamin, Shinedown, Alter Bridge, Saint Asonia
Ein kraftvolles, ehrliches und emotional dichtes Rockalbum, das zeigt: Lansdowne sind nicht nostalgisch – sie sind hier, um zu bleiben.