Elementare Chemie: Die GRAMMY-prämierten Schwergewichte des Jazz Dee Dee Bridgewater & Bill Charlap veröffentlichen ihr Duo-Album „Elemental“

Dee Dee Bridgewater and Bill Charlap FOTO: Evelyn Freja

Wenn zwei Titanen des Jazz in einem kleinen, intimen Raum aufeinandertreffen, entstehen nicht nur Töne – sondern Momente, die nachhallen wie Blitzlichter über einem dunklen Meer: So wie jetzt auf „Elemental“, dem neuen Duo-Album von Dee Dee Bridgewater und Bill Charlap. Die beiden legen nun ein Album vor, das seine programmatische Überschrift ernst nimmt: Hier geht es um die Grundelemente – von Song, Swing und spontaner Interaktion.

Magischer Impuls, musikalische Logik

Die Idee kam Bridgewater, wie sie sagt, „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“. Eine innere Stimme habe ihr den Namen Bill Charlap eingeflüstert – ein vermeintlich unwahrscheinliches Paar, wie sie zunächst fand. Tatsächlich aber entpuppt sich gerade diese Konstellation als Glücksfall. Charlap, bekannt für seine stilistische Noblesse und sein tiefes Verständnis des Great American Songbook, ist ein erfahrener Partner großer Stimmen. Für sein Album mit Tony Bennett, The Silver Lining: The Songs of Jerome Kern, wurde er 2016 mit einem GRAMMY ausgezeichnet; auch mit Künstlerinnen wie Barbra Streisand oder Diana Krall arbeitete er bereits zusammen.

Doch „Elemental“ ist kein Routineprojekt zweier Routiniers. Erste Testkonzerte bestätigten, dass hier mehr als Professionalität am Werk ist: eine Chemie, die – um im Bild zu bleiben – vom bloß Chemischen ins Alchemistische kippt.

Tradition als Spielfeld

Die Tracklist liest sich wie ein Streifzug durch die DNA des Jazz: „Beginning to See the Light“, „Mood Indigo“, „Love for Sale“, „Caravan“. Standards, vielfach interpretiert – und doch offen für neue Lesarten. Besonders deutlich wird das in der Vorabsingle „Honeysuckle Rose“: Bridgewater schleudert ihre Stimme mit schwindelerregender Leichtigkeit durch die Register, phrasiert mal keck, mal schwebend, während Charlap darunter perlende Linien legt, die zugleich federnd und strukturbewusst wirken. Nichts wirkt bemüht, alles atmet.

Überhaupt ist es die Reduktion aufs Wesentliche, die dieses Album trägt. Kein orchestraler Überbau, kein rhythmisches Sicherheitsnetz – nur Stimme und Klavier. Bridgewaters dynamische Spannweite, ihr Gespür für dramatische Zuspitzung und ironische Brechung treffen auf Charlaps elegante Klarheit und sein subtiles Timing. Beide hören einander hörbar zu; Pausen werden zu Ereignissen, Verzögerungen zu dramaturgischen Mitteln.

Sanfte Naturgewalt

Bridgewater spricht von einer „gentle force of nature“. Tatsächlich liegt die Kraft dieser Aufnahmen nicht im Effekt, sondern in der Intensität der Zwischentöne. Balladen wie „Here’s That Rainy Day“ oder „In the Still of the Night“ gewinnen durch die intime Duo-Atmosphäre eine beinahe kammermusikalische Dichte. Up-Tempo-Nummern dagegen funkeln vor Spielfreude, ohne je ins Showhafte abzurutschen.

Dass diese Verbindung auch live trägt, zeigte jüngst ihr Auftritt beim New Orleans Jazz Festival, wo Publikum und Kritik gleichermaßen reagierten. Weitere Konzerte – unter anderem in Los Angeles und Oakland – flankieren die Veröffentlichung, bevor Bridgewater mit ihrer „We Exist!“-Tour durch Europa zieht.

Ein subtiles Manifest für die Essenz des Jazz

„Elemental“ ist ein subtiles Manifest für die Essenz des Jazz: Dialog, Risiko, Vertrauen. Zwei Künstlerpersönlichkeiten auf Augenhöhe, die sich nicht übertrumpfen, sondern gegenseitig beflügeln. Wer hören will, wie Tradition im Hier und Jetzt leuchtet, wird hier fündig.

Elemental Tracklist:

1. Beginning to See the Light

2. Mood Indigo

3. Honeysuckle Rose

4. Here’s That Rainy Day

5. Love for Sale

6. ‘S Wonderful

7. In the Still of the Night

8. Caravan

Dee Dee Bridgewater’s We Exist! Tour:

July 1 – Vienne, France – Jazz à Vienne

July 3 – Toulouse, France – Toulouse Festival

July 4 – Santa Cruz, Canary Islands, Spain – Tenerife Auditorium

July 5 – Lanzarote, Canary Islands, Spain – Jameos del Agua Auditorium

July 6 – Las Palmas de Gran Canaria, Spain – Pérez Galdós Theatre

July 8 – Oestrich-Winkel, Germany – Seebühne Schloss Vollrads

July 9 – Vannes, France – Vannes Echos Jazz

July 11 – Merano, Italy – KIMM + Master Class

July 12 – Marseille, France – Marseille Jazz Des Cinq Continents

July 16 – Weimar, Germany – Schallkultur Festival

July 19 – Wiesbaden, Germany – Kurpark Wiesbaden

July 20 – Freiburg, Germany – Zelt Musik Festival

July 23 – Vilnius, Lithuania – Midsummer Vilnius Fest

July 25 – San Sebastian, Spain – San Sebastien

July 26 – Barcelona, Spain – Palau de la Musica Catalana

July 27 – Gdynia, Poland – Ladies Festival

July 29 – Fano, Italy – Jazz by the Sea