Ein Geschenk nicht nur für Fans: Riverside „Lost’n’Found – Live in Tilburg“

Riverside FOTO: Presse/Promo

Riverside „Lost’n’Found – Live in Tilburg“: Dieses Live-Album ist ein Geschenk für Freunde dieser polnische Ausnahmeband, die erst zweimal in Bonn aufgetreten ist.

Von Dylan Cem Akalin

Dieses Doppelalbum wurde während ihrer Tour 2016 in Tilburg, Holland, aufgenommen und ursprünglich 2017 als limitiertes Album veröffentlicht, das ausschließlich Mitgliedern ihrer Fanclubs zugänglich war. Die Platte ist seitdem ein begehrtes Sammlerstück. Außerdem dokumentiert diese Platte auch Riversides letzte Tour mit ihrem Gitarristen und Gründungsmitglied Piotr Grudzinski, der 2016 starb.

Riverside wurden 2001 in Polen von Piotr Kozieradzki und Piotr Grudziński gegründet, um ihre Leidenschaft für den Progressive Rock zu bündeln. Das Quartett wurde durch Jacek Melnicki und Mariusz Duda ergänzt. Dabei entdeckten sie nicht nur ein gegenseitiges Interesse an Marillion, sondern auch an Dream Theater, die sie 2007 auf der Tour supporteten. Da sah ich sie auch zum ersten Mal und war sofort fasziniert von der Komplexität ihrer Musik.

Riverside Cover

Das vorliegende Album ruft schon aufgrund des letzten Liveauftritts von Grudzinski unweigerlich Emotionen bei den Fans aus. Aber auch abhängig von ihrer Nähe zur Band wird das Album Freunde dieses Rockgenres ansprechen – allein aufgrund des Konzepts, das Album komplett ohne Overdubs, also nachträgliche Bearbeitung oder Überspielen einzelner Passagen im Studio zu veröffentlichen: Was wir also hören, ist das, was das Publikum gehört hat. Und das macht das Ergebnis umso beeindruckender.

13 Songs über etwa 105 Minuten Musik

Auf den beiden Discs befinden sich 13 Songs über etwa 105 Minuten Musik, wobei jedes der sechs Studioalben mit Titeln vertreten ist. Wenn man sich diese Gesamtschau der Band in Erinnerung ruft, mag man erwarten, dass Stil und Substanz vielleicht nicht ganz zusammenpassen – tun sie aber auf sehr fließende Weise.

Riverside Logo

Der Opener „Lost“ stimmt das Publikum noch sehr zurückhaltend und entspannt ein. Hier erinnern die Progrocker noch an Marillion, so wie später auch „Under The Pillow“. Auch wenn „Feel Like Falling“ rockiger ist, so zeigen sie ihre Metall-Progrock-Seite erst beim dritten Stück. „Hyperactive“ erinnert da schon eher an Dream Theater.

Das Album ist eine großartige Aufnahme und zeigt die ganze Bandbreite der Band, die sowohl entspannten Rock („Conceiving You“), abwechslungsreichen Metal („Saturate Me“), synthlastigen, atmosphärisch dichten Progrock mit rifflastigen Explosionen („Egoist Hedonist“) und epische 20-minütige Balladen („Escalator Shrine“).