Ein Bluesmusiker umarmt das Leben: Ganz starker Auftritt von Danny Bryant in der Harmonie Bonn

Danny Bryant, am 28. Janar 2026 in der Harmonie Bonn FOTO: Dylan Akalin

Kaum wiederzuerkennen, gnadenlos ehrlich, musikalisch auf einem neuen Level:
Danny Bryant spielt in der Harmonie Bonn eines der intensivsten Konzerte seiner Karriere – mit Bigband, Songs aus „Nothing Left Behind“ und Lyrics, die direkt aus dem Leben kommen.
Blues als Überlebenskunst.

Von Dylan C. Akalin

Der Mann ist kaum wiederzuerkennen. Danny Bryant hat schwer abgenommen. Vor zwei Jahren steckte er in einer tiefen Krise. Psychisch und körperlich. Auf seinem aktuellen Album „Nothing Left Behind“, eines der stärksten, sicherlich eines der persönlichsten in seiner Karriere, schreibt er, dass er in der Klinik lag und fast gestorben wäre – das Ergebnis von jahrelangem Alkoholkonsum, „schnellem Leben und schlechten Entscheidungen“. Damals habe er entschieden, „das Leben zu umarmen“ und einiges zu ändern. Er scheint es geschafft zu haben. Später am Abend wird er dazu ein paar Worte zu seinen Fans sagen. 

Danny Bryant, am 28. Janar 2026 in der Harmonie Bonn FOTO: Dylan Akalin

Bei seinem Konzert in der Harmonie Bonn an diesem Mittwochabend wird schon nach den ersten Takten klar: Das hier ist kein normales Danny-Bryant-Konzert. Bryant steht mit Bigbandbesetzung auf der Bühne – und mit einer Präsenz, die man nicht proben kann, sondern nur erleben. Ich habe den Eindruck, dass er selbst das Konzert intensiv erlebt. Erleben möchte. Er geht auf seiner Mitspieler ein, stellt sich manchmal ganz nahe zu ihnen, während diese ihre Solos spielen und scheint alles einzuatmen.

Viele Songs aus dem aktuellen Album

Er eröffnet mit „Three Times as Hard“, ein programmatischer Titel, der sofort sitzt. Die Band klingt groß, aber nicht aufgeblasen. Jamie Pipe legt mit den Keyboards ein dichtes Fundament, darüber schieben Jakob Karg (Trompete), Uli Binetsch (Posaune) und Niko Halfmann (Saxophon) einen warmen, erdigen Bläsersatz, der den Blues nicht verkleidet, sondern vertieft. „Swagger“ bestätigt diesen Eindruck.

Bryant stellt immer wieder Songs seines neuen Albums vor, Songs wie offene Erzählungen. „Guntown“ ist eine Ballade, zurückgenommen und verletzlich, getragen von einer Stimme, die nicht mehr kämpfen muss, um gehört zu werden. Danny Bryant wirkt konzentriert, klar. Er sei seit zwei Jahren trocken, nachdem er dem Tod gefährlich nahekam, sagt er. Es ist an diesem Abend mehr als eine Randnotiz – es ist der emotionale Unterstrom des gesamten Konzerts.

Einer der dramaturgischen Höhepunkte: „Enemy Inside“

Mit „On The Rocks“, einem Instrumental, setzt Artjom Feldtser ein fettes Bass-Intro, das den Raum sofort aufzieht. Die Bläser greifen das Thema elegant auf, ohne es zu erdrücken. „Lover Like You“ schleppt sich bewusst schwerfällig voran, ein Riff wie ein innerer Widerstand, während Bryant in den Lyrics von Bindung, Abhängigkeit und Selbsttäuschung erzählt.

Danny Bryant, am 28. Janar 2026 in der Harmonie Bonn FOTO: Dylan Akalin

Einer der dramaturgischen Höhepunkte ist „Enemy Inside“. Das intensive Intro von Piano und Drums – Alexander Hinz spielt mit kontrollierter Wucht – baut Spannung auf, die sich nicht sofort entlädt. Am Ende steht ein berührender Bläsereinsatz: die Solotrompete als Instrument der Einsamkeit, beantwortet von einer melodischen Posaune, fast wie ein innerer Dialog. Hier zeigt sich, wie klug diese Bigband gedacht ist.

„Prisoner of the Blues“ liefert ein starkes, kantiges Gitarrensolo von Bryant – kein virtuoses Selbstzweckfeuerwerk, sondern ein Solo, das erzählt. Bei „Just For You“ glänzt Marc Raner mit einem ausgefuchsten Arpeggio, über das Bryant ein weiteres intensives Solo legt. Die zweite Gitarre erweist sich als Glücksgriff: Sie öffnet Räume, statt zu konkurrieren.

Schöne Grüße an The Doors

Mitten im Konzert klingt Bryant plötzlich verblüffend nach Joe Bonamassa – druckvoll, modern, mit diesem satten, singenden Ton. Danach wird es eingängig: „Missing You“ ist ein Ohrwurm mit leichten Country-Anklängen, fast trügerisch leicht für einen Text, der von Verlust und Sehnsucht spricht.

„Unchained“ ist ein weiteres Highlight. Nach einem Break schwebt ein Piano-Motiv durch den Raum, das an The Doors erinnert, begleitet von soft gespielten Drums, die sich fast in Trance spielen. Raner legt ein großartiges Gitarrensolo in tiefen Saitenlagen hin, wird immer wilder, setzt einen Flanger-Effekt ein, während der Bass plötzlich fett einsteigt – echt elektrisierend.

Danny Bryant, am 28. Janar 2026 in der Harmonie Bonn FOTO: Dylan Akalin

Mit „Not Like The Others“, „The Rage To Survive“ und „Tougher Now“ – letzteres mit feinen Jazz-Anklängen – verdichtet sich der Abend thematisch weiter: Überleben, Anderssein, Durchhalten. „Redemption“ ist eine schöne, ehrliche Ballade, frei von Pathos, dafür voller Hoffnung. „Looking Good“ überrascht mit einem swingenden Vibe, der tatsächlich an Cab Calloway erinnert – augenzwinkernd, aber nie ironisch.

„Painkiller“

Die Zugabe lässt keine Wünsche offen. „Painkiller“ gehört zu jedem Danny-Bryant-Konzert – und doch wirkt der Song hier noch einmal intensiver. Er berührt, reißt mit, bietet Platz für geile Gitarrensolos, fette Akkorde und knallende Drums. Das abschließende „Rock’n’Roll“ ist kein Klischee, sondern ein Befreiungsschlag.

Dieses Konzert ist eines der besten Danny-Bryant-Konzerte, die ich gesehen habe. Es ist extrem intensiv, musikalisch auf höchstem Niveau und emotional offen wie selten. Die Lyrics wirken an diesem Abend wie ein Tagebuch – ohne Selbstmitleid, aber mit großer Ehrlichkeit. Danny Bryant spielt nicht um sein Leben. Er spielt aus ihm heraus. Ganz starker Abend!

Danny Bryant und Artjom Feldtser (Bass), am 28. Janar 2026 in der Harmonie Bonn FOTO: Dylan Akalin
Jamie Pipe (Keyboards) FOTO: Dylan Akalin
Uli Binetsch (Posaune), Niko Halfmann Saxophon), Jakob Karg (Trompete) FOTO: Dylan Akalin
Alexander Hinz (Drums) FOTO: Dylan Akalin
Danny Bryant und Artjom Feldtser (Bass), am 28. Janar 2026 in der Harmonie Bonn FOTO: Dylan Akalin
Marc Raner (Gitarre) FOTO: Dylan Akalin

Line-up

Danny Bryant (Gitarre und Gesang), Jamie Pipe (Keyboards), Jakob Karg (Trompete), Uli Binetsch (Posaune), Niko Halfmann Saxophon), Artjom Feldtser Bass), Alexander Hinz (Drums), Marc Raner (Gitarre)

Setlist

Three Times as Hard
Swagger
Guntown
On The Rocks
Lover Like You
Enemy Inside
Prisoner of the Blues
Just For You
?
?
Missing You
Unchained
Not Like The Others
The Rage To Survive
Tougher Now
Redemption
Looking Good

Encore

Painkiller
Rock’n‘Roll 

Danny Bryant, am 28. Janar 2026 in der Harmonie Bonn FOTO: Dylan Akalin
Danny Bryant, am 28. Janar 2026 in der Harmonie Bonn FOTO: Dylan Akalin
Danny Bryant, am 28. Janar 2026 in der Harmonie Bonn FOTO: Dylan Akalin
Danny Bryant, am 28. Janar 2026 in der Harmonie Bonn FOTO: Dylan Akalin