Kein Pathos, keine Pose – dafür Gefühl pur: Danny Bryant überzeugt in der Harmonie Bonn mit einem Blues, der unter die Haut geht. Mit effektvollem Gitarrenspiel, großer Zurückhaltung und emotionaler Wucht macht er den Blues zur Überlebenskunst. Ein intensiver Konzertabend, der zeigt, wie gegenwärtig und notwendig diese Musik noch immer ist.
Von Dylan C. Akalin
Danny Bryant überrascht immer wieder. Der britische Bluesrockmusiker ist ja keiner, dem die große Geste in der Musik wichtig ist. Ihm geht es um Gefühl. Um Ausdruck. Und ebenso hält er es mit dem Blues. Der wirkt bei ihm nicht nostalgisch, nicht museal, nicht wie eine gepflegte Rückschau auf vergangene Heroen. Es ist mal wieder ein Abend, an dem er stattdessen zur unmittelbaren, fast körperlichen Erfahrung wird.

Danny Bryants Auftritt am 6. Dezember 2023 in der Harmonie Bonn ist ein solcher Abend. Ohne großes Brimborium, ohne kalkulierte Pose präsentiert sich der britische Bluesrocker als Künstler, der seine Songs wie offene Wunden vorträgt – wissend, dass Schmerz, Wut und Hoffnung im Blues untrennbar miteinander verbunden sind.
Roh und druckvoll
Mit „Animal in Me“ setzte Bryant gleich zu Beginn ein deutliches Zeichen. Der Song wirkte wie ein Befreiungsschlag: roh, druckvoll, getragen von einer Stimme, die von gelebter Erfahrung gezeichnet ist. Der Blues ist bei Bryant kein Zitat, sondern ein Werkzeug, ein Mittel zur Selbstbehauptung.

„Rescue Me“ und „Guntown“ schärfen das Profil des Sets weiter. Die Band agiert eng verzahnt, der Groove sitzt, und Bryant lässt seine Gitarre sprechen, ohne sie je in den Vordergrund zu drängen. Besonders „Guntown“ entwickelte live eine düstere Dringlichkeit, die dem Song eine fast bedrohliche Tiefe verleiht – ein Moment, in dem sich die Spannung im Raum spürbar verdichtet.
Effektiver Gitarrist
Spätestens bei „Rise“ zeigt sich Danny Bryant als Gitarrist, der sein Instrument äußerst effektiv einzusetzen weiß. Es geht ihm nicht um virtuose Auswüchse oder technische Schaustücke. Oft genügt ihm ein bestimmter Sound, ein gezielt gesetzter Akkord, eine kurze, prägnante Phrase, um maximale Wirkung zu erzielen. Bryant spielt mit Raum und Zurückhaltung, lässt Töne stehen, statt sie zu überfrachten. Seine Soli wachsen organisch aus dem Song heraus, sind dramaturgische Zuspitzungen statt Selbstzweck.
Diese Haltung zieht sich konsequent durch den gesamten Abend. „Collins’ Shuffle“, Bryants Verneigung vor Albert Collins, gerät nicht zur bloßen Reverenz, sondern zu einer eigenständigen Interpretation. Kühl, präzise und schneidend lässt Bryant die Tradition des Texas Blues aufleben, ohne sie zu kopieren. Hier spielt jemand, der die Geschichte kennt und dennoch seine eigene Sprache spricht.
Bob Dylan-Song neu interpretiert
Einen überraschend stillen, berührenden Moment bietet „Girl From the North Country“ von Bob Dylan. Bryant nimmt dem Song jede folkige Leichtigkeit und legt eine melancholische Schwere frei, die perfekt in den Abend passt. Seine Interpretation wirkt introspektiv, beinahe verletzlich, und zeigt, dass Bryant nicht nur als Songwriter, sondern auch als Interpret fremder Texte überzeugt.

Mit „Prisoner of the Blues“, „Scarlett Street“ und „Looking Good“ steuert das Konzert auf seinen Höhepunkt zu. Besonders „Scarlett Street“ lebt von seiner erzählerischen Kraft und der subtilen Spannung zwischen Text und Instrumentierung. „Painkiller“ schließlich bündelt noch einmal alle Elemente des Abends: ein drängender Rhythmus, kantige Riffs und ein Solo, das sich langsam aufschraubt, bis es sich mit kontrollierter Wucht entlädt
Das Encore „The Rage To Survive“ ist folgerichtig und programmatisch. Wut und Überlebenswille, Resignation und Trotz verdichten sich zu einem kämpferischen Finale, das den Abend thematisch abrundet.










