Französische Unbändigkeit, amerikanischer Roots-Blues und kalifornische Gitarrenklasse: Der Blues Caravan 2026 machte in der Harmonie Bonn Station und zeigte eindrucksvoll, wie lebendig und vielgestaltig der Blues heute ist. Elise Frank, Matthew Curry und Laura Chavez setzten mit Energie, Virtuosität und Persönlichkeit starke Akzente – gekrönt von einer mitreißenden gemeinsamen Jamsession.
Von Dylan C. Akalin
Ihre Stimmfarbe ist durchaus tief, ein rauer Schleier liegt auf ihr, mit einem Vocal Flip lässt sie bisweilen ihre Stimme von der Brust- in die Kopfstimme überschlagen, was lustige Glucksgeräusche ergibt. Elise Frank ist gar nicht so schüchtern wie sie sich bei ihren Anmoderationen gibt, wenn sie singt, dann kommt ihr wildes Temperament zum Vorschein. Ihre Performance zeichnete sich durch intensive Bühnenpräsenz, ihre leidenschaftliche Stimme und ein Gespür für dynamische Song-Arrangements aus. Frank gelingt es, das Publikum mitzureißen, ohne sich in technischem Selbstzweck zu verlieren – ihre Songs atmen eine direkte, fast ungefilterte Energie, die einigen der klassischeren Blues-Momente der anderen Acts spannende Kontraste entgegensetzte.

Am Dienstagabend macht die Blues Caravan 2026 Station in der Harmonie Bonn und präsentiert drei Künstler, die auf dem Feuer des Blues, ganz eigene Rezepturen aus Blues, Rock, Country, Funk und Soul brauen. Die Konzert-Revue ist mittlerweile seit 20 Jahren fester Bestandteil der europäischen Blues-Szene. Initiiert vom renommierten deutschen Label Ruf Records, hat dieses Tournee-Format Generationen von Blues-Musiker*innen gefördert und zählt Acts wie Ana Popovic, Samantha Fish und Joanne Shaw Taylor zu seinen Alumni.
Was die Jubiläums-Edition besonders macht, ist die Kombination dreier sehr unterschiedlicher Künstlerpersönlichkeiten, die jeweils eigene Facetten der Blues-Tradition vertreten.
Matthew Curry – Americana-Blues mit Herz
Im Anschluss an die Französin bietet Matthew Curry einen anderen Blickwinkel auf den Blues: Der Linkshänder startet gleich mit einer rhythmisch ausgefuchsten Nummer. Sein Shuffle ist durchzogen von knackigen Fenderlinien, die auch schon mal ins Fusion abdriften Sein Set war geprägt von rockigen, leicht Americana-gefärbten Arrangements und einer jugendlichen, ungekünstelten Performance. Curry versteht es, melodische Sensibilität mit rauer Energie zu verbinden – seine hohe Stimme schwankt gekonnt zwischen kräftigem Blues-Gesang und sensiblem Soul. Seine Soli zeigen zwar eine tiefe Verbundenheit zur Tradition des Blues, aber Curry liebt es, Elemente unterschiedlicher Genres zu verweben – da klingt mal ein souliger Funk a la Stevie Wonder durch, dann wieder der glasklare Blues-Jazz, der an Robben Ford erinnert. Dann meint man etwas von der Kraft eines Kenny Wayne Sheperd wahrzunehmen, und Countryflair blitzt auch immer wieder auf. Besonders gut gefallen hat mir die Interpretation der Lynyrd Skynyrd-Nummer „Whiskey Rock-a-Roller“. Mit „Shine On“ beendete er sein Set – eine tief unter die Haut gehende Ballade mit zwei fantastischen Gitarrensoli.

„Ja, es stimmt, ich lasse mich beim Schreiben der Songs von vielen Einflüssen leiten – tatsächlich von B.B. King bis Stevie Wonder“, sagt der aus Bloomington/Indiana stammende und seit langem in Chicago lebende Gitarrist/Sänger nach der Show. Seine Musik bezeichne er Roots-Rock-Blues. Interessanterweise hat Matthew gleich als Solokünstler begonnen, erzählt er. Er hat gar nicht erst versucht, sich seine ersten Sporen in Bands zu verdienen. „Ich wollte gleich mein eigenes Ding machen“, sagt er – und das hört man. Großartiger Auftritt.
Für viele im Publikum war Curry wohl die Entdeckung des Abends: ein Künstler, der sich zwischen Genres bewegt und doch den Blues nie aus den Augen verliert.
Laura Chavez – die Virtuosin mit Erfahrung
Laura Chavez stellt gleich vom ersten Ton an klar, warum sie als erfahrenste Musikerin im Line-Up gilt. Mit souliger, kraftvoller Gitarre und einem tief verwurzelten Blues-Feeling zieht sie das Publikum sofort in ihren Bann. Chavez’ Spiel vereint technische Finesse mit emotionaler Direktheit; ihre mitreißenden Soli und ihr Rhythmusspiel geben jedem Song eine außergewöhnliche Power. Besonders beeindruckend war ihre Fähigkeit, zwischen intimen Momenten und explosiven Gitarren-Ausrasten zu wechseln – wobei ihr immer wieder die Schiebermütze tief in die Augen fällt. Bei ihrem Set versteht man, warum sie 2023 den Blues Music Award als „Best Instrumentalist – Guitar“ gewann.

Das Publikum kennt die Kalifornierin gut, spielte sie doch viel mit Künstlern der Blues-, Soul- und R&B-Szene – unter anderem mit Candye Kane, Deborah Coleman, Dani Wilde, Monster Mike Welch, Mike Ledbetter, Casey Hensley und Vanessa Collier. Im vergangenen Jahr begleitete sie hier Mitch Ryder und beeindruckte gleich mit ihrem sowohl melodiösen, als auch aggressiven Ansatz.
Gemeinsames Finale: Jamsession mit Funkenflug
Wie es Tradition beim Blues Caravan ist, endet der Abend nicht nach den einzelnen Sets, sondern in einer gemeinsamen Jamsession mit Nummern von Creedence Clearwater Revival („Born On The Bayou“) und den Rolling Stones (Under My Thumb“), in der sich alle drei Acts auf der Bühne vereinen und die musikalischen Fäden zu einem energiegeladenen Finale knüpfen. Toll, wie organisch sie im gemeinsamen Spiel verschmelzen: Chavez’ ausladende Gitarrenlinien treffen auf Currys groovende Licks und Franks expressive Vocals – inspiriert wie mitreißend.










