Die Alternative Country-Musikerin Lucinda Williams erhebt erneut ihre Stimme – „World’s Gone Wrong“ als raues Manifest unserer Zeit

LUCINDA WILLIAMS FOTO: Mark Seliger

Wenn Lucinda Williams spricht – oder besser: singt – hört die Welt zu. Die mehrfach Grammy-prämierte Songwriterin kehrt am 23. Januar mit einem neuen Album zurück, das aktueller kaum sein könnte. „World’s Gone Wrong“ (Highway 20 Records / Thirty Tigers / OPEN) ist Williams’ kraftvoller Kommentar zu einer Welt im Umbruch: roh, ungeschönt und voller Herzblut.

Ein Ruf aus der Tiefe – und ein Blick nach vorn

Lucinda Williams war nie eine Künstlerin, die sich hinter schönen Worten versteckt. Ihre Musik – irgendwo zwischen Country, Blues und Folk – war schon immer ein Spiegel menschlicher Emotionen: zornig, poetisch, verletzlich. Auf „World’s Gone Wrong“ blickt sie den Verwerfungen unserer heutigen Zeit direkt ins Gesicht und formt daraus ein Werk, das gleichermaßen politisch wie spirituell ist.

Der Titelsong „The World’s Gone Wrong“, unterstützt von Brittney Spencer, eröffnet das Album mit einer unerschütterlichen Hymne auf die Standhaftigkeit der Arbeiterklasse. Zeilen wie „Come on baby, we gotta stay strong“klingen wie eine trotzige Einladung zum Durchhalten – ein Appell, die Flinte eben nicht ins Korn zu werfen.

Kollaborationen, die Geschichte schreiben

Williams teilt auf dem neuen Album das Mikrofon mit zwei Legenden, die ihre Botschaft noch mächtiger erklingen lassen:

  • „We’ve Come Too Far To Turn Around“ feat. Norah Jones – Eine zärtliche, zugleich kämpferische Ballade, in der sich zwei der markantesten Stimmen der amerikanischen Musik begegnen.
  • „So Much Trouble In The World“ feat. Mavis Staples – Eine tief empfundene Neuinterpretation von Bob Marleys Klassiker aus dem Jahr 1979. Hier verschmelzen zwei Generationen gelebter Soul-Erfahrung zu einer Hymne auf Mut und Menschlichkeit.

Williams sagt dazu:

„Der Song hat mich sofort berührt. Als das Album Gestalt annahm, wussten wir, dass er dazugehört – als Herzstück. Und wer könnte ihn besser mit mir singen als Mavis Staples?“

Songs als Zeitdokumente – und als Herausforderung

Insgesamt neun neue Tracks finden sich auf „World’s Gone Wrong“. Jeder einzelne ist ein Fragment unserer Gegenwart – ein Echo all dessen, was uns bewegt, trennt oder zusammenhält.
Das bluesige „How Much Did You Get For Your Soul“ knüpft an die zutiefst spirituelle Offenheit ihres gefeierten Albums „Good Souls Better Angels“ (2020) an.
Und mit „Freedom Speaks“ liefert Williams eine kompromisslos mitreißende Hymne, in der sie die Freiheit selbst zur Stimme werden lässt – gegen Unterdrückung, gegen Apathie, gegen das Schweigen.

Zwischen Verwundbarkeit und Widerstandskraft

Produziert wurde das Album erneut von Tom Overby und Ray Kennedy, der es in seinem Room & Board Studio in Nashville aufnahm. Kennedy, seit Langem kreativer Partner Williams’, verleiht dem Sound die charakteristische Schwere und Wärme, die ihre Musik trägt – irgendwo zwischen rauem Südstaaten-Schweiß und poetischem Lichtstrahl.

Eine Platte, die mehr ist als Musik

Mit „World’s Gone Wrong“ liefert Lucinda Williams ein Werk, das weniger ein nostalgischer Rückgriff als vielmehr eine wütend-hoffnungsvolle Standortbestimmung ist. Es ist das Werk einer Künstlerin, die nie aufgehört hat, hinzuschauen und hinzuhören – und die mit über 70 Jahren noch immer beweist, dass Rock’n’Roll eine Haltung ist, keine Stilrichtung.

Oder, wie NPR Music es treffend beschrieb:

„Sie ist nicht nur eine Ader des Rock’n’Roll – sie ist sein Blut.“

Album: World’s Gone Wrong
Künstlerin: Lucinda Williams
Label: Highway 20 / Thirty Tigers
Vertrieb: OPEN
VÖ: 23. Januar 2026