Spyro Gyra – Live in Leverkusen 2022: ein Funk-Feuerwerk mit Abschiedsnote (VÖ: 27. Februar 2026)

Seit über fünf Jahrzehnten steht Spyro Gyra als Inbegriff für gepflegten Jazz-Fusion zwischen Virtuosität, Groove und purem Spielspaß. Live in Leverkusen 2022 (VÖ: 27. Februar 2026) dokumentiert eindrucksvoll, warum die Band um Saxofonist und Bandleader Jay Beckenstein bis heute ein Fixpunkt der internationalen Jazzszene ist – und zugleich markiert das Konzert einen Abschied: Es ist der letzte Auftritt mit Keyboarder Tom Schuman, der kurz darauf seinen Wohnsitz nach Spanien verlegte und die Band verließ.

Klangliche Achterbahnfahrt mit Konzept

Beckenstein beschreibt sein Bühnendenken als „Feuerwerksshow“ – mit Wow-Effekt, Spannungsbögen und einem grandiosen Finale. Genau das liefert das Leverkusener Konzert, mitgeschnitten bei den Leverkusener Jazztagen 2022. Der Abend startet, nomen est omen, mit „Walk The Walk“, einem funkig-treibenden Opener von Gitarrist Julio Fernandez, der sofort zeigt, dass diese Musiker nach über 50 Jahren immer noch voller Energie stecken.

Danach folgt mit „Groovin’ for Grover“ eine melancholische, doch energiegeladene Hommage an den verstorbenen Saxofon-Kollegen Grover Washington Jr. – samt ausgedehnter Soli, die das Talent jedes Einzelnen aufzeigen, allen voran das harmonische Zusammenspiel zwischen Beckenstein und Schuman.

Klassiker, Emotionen und Weltmusik

Kein Spyro-Gyra-Set ohne die großen Signature-Stücke: Das Medley aus „Shaker Song“, „Catching the Sun“ und „Morning Dance“ weckt sonnige Erinnerungen an die späten 70er, als die Band weltweit Charts und Radiostationen eroberte.

Mit „Cockatoo“ kehrt die Band zu ihren Anfängen zurück: ein Gruppenstück, das schon Ende der 70er spontan im Bandkollektiv entstand – Funk, Spielfreude und Virtuosität pur. Danach sorgt „De La Luz“, Julios gefühlvolle Hommage an seine Mutter, für einen emotionalen Ruhepunkt. Der seltene Gesangspart bringt eine warme, menschliche Note in das Set – zart, aber aufrichtig.

Anschließend geht es mit „Dancing on Table Mountain“ in südafrikanische Klangfarben. Bassist Scott Ambush brilliert hier mit einem Solospot, der rhythmisch wie tonal das Spektrum des modernen Jazzbasses auslotet – und belegt, warum er längst zu den unterschätzten Größen seines Fachs gehört.

Ein unerwarteter Farbtupfer folgt mit „Tempted“, einer bluesigen, beseelten Neuinterpretation des Pop-Klassikers von Squeeze. Spyro Gyra verwandeln den Song in ein jazziges Kleinod, das zwischen Soul-Groove und feiner Harmonik oszilliert.

Abschied und Neuanfang

Das Finale aus „Old San Juan“ und „Heliopolis“ bündelt alles, was Spyro Gyra groß gemacht hat: Latin-Rhythmen, Funk-Power, hochenergetische Soli – schlicht das „grand display“, von dem Beckenstein spricht. Gleichzeitig spürt man die Wehmut dieses besonderen Moments: Es ist das letzte dokumentierte Zusammenspiel mit Tom Schuman nach fast einem halben Jahrhundert.

Doch das Kapitel endet nicht, es wandelt sich. Mit Chris Fischer, einem Musiker, der mit Schumans Spiel aufgewachsen ist, steht inzwischen die nächste Generation an den Tasten.

Live in Leverkusen 2022 ist ein toller Konzertmitschnitt – mit ausgezeichnetem Sound. Und er zeigt eine Band, die nach fünf Jahrzehnten nichts an Energie verloren hat, die sich und ihr Publikum mit Leidenschaft und Präzision feiert. Klanglich brillant eingefangen, musikalisch variantenreich und emotional aufgeladen, steht dieses Album sinnbildlich für die Lebensfreude, die Jazz-Fusion ausmacht.

Ein würdiger Live-Abschied – und zugleich ein Versprechen für die Zukunft.