SHALOSH – What We Are Made Of: Das Jazztrio beherrscht die Kunst der offenen Ohren

Shalosh (c) Ben Palhov

Zwischen Jazz, Pop und der Freiheit, alles zu sein

Es gibt Jazztrios – und es gibt SHALOSH. Seit über einem Jahrzehnt trotzt das israelische Ensemble jeder Kategorisierung: Jazz dient ihnen nur als Ausgangspunkt für eine Reise durch Klangwelten, in denen Rockgitarren mit arabischen Tonleitern tanzen, Pop-Hits melancholisch neu leuchten und Improvisation zum Lebensprinzip wird. Mit ihrem neuen Album What We Are Made Of (ACT) zeigen Pianist Gadi Stern, Bassist David Michaeli und Schlagzeuger Matan Assayag nun eindrucksvoller denn je, was sie antreibt – und was sie ausmacht.

Grenzenloser Jazz mit Haltung

„Wir wollten nie nur ein Jazztrio sein“, sagt Matan Assayag. Diese Haltung spürt man in jeder Note. SHALOSH verstehen Musik als offenes System, als Spiegel ihrer eigenen Vielseitigkeit. Wo andere Genregrenzen ziehen, reißen sie Mauern ein. Jazz trifft auf Pop-Ironie, klassische Struktur auf spontane Explosion – What We Are Made Of ist im besten Sinne ein musikalisches Kaleidoskop.

Die Auswahl der Stücke spricht für sich: SHALOSH wagen sich an scheinbar unantastbare Pop-Hymnen der 1990er-Jahre – Barbie GirlDon’t Look Back in AngerTorn – und verwandeln sie in tiefgründige, rhythmisch komplexe Klangpoesie. Aus Plastikpop wird bitter-süße Melancholie, aus Stadionpathos konzentrierte Intensität. Selbst Hysteriavon Muse, das in seiner Originalform Adrenalin pur ist, wird bei SHALOSH zur kontrollierten Eruption – immer auf der Kippe zwischen Disziplin und Ekstase.

Ein Trio, das seine Komfortzone meidet

Zum ersten Mal arbeitete das Trio für ein Album mit einem Produzenten zusammen – und zwar mit ACT-Chef Andreas Brandis. Der Blick von außen verlieh der Band neuen Schwung. „Wir wollten raus aus unserer Komfortzone“, sagt Gadi Stern. Diese bewusste Irritation hört man der Platte an. Sie klingt frischer, mutiger, dichter – als hätte SHALOSH das eigene musikalische Universum einmal umgekrempelt, um dessen Essenz zu finden.

Brandis half dabei, Struktur in die Vielfalt zu bringen. Besonders spürbar wird das in der wiederbelebten Version von Torn: einer früheren, zwölfminütigen Improvisationslawine, die durch präzise Reduktion plötzlich Sinn und Richtung gewinnt. Hier zeigt sich das neue Selbstverständnis des Trios – Freiheit ja, aber mit klarer emotionaler Führung.

Eigenes und Fremdes in perfektem Gleichgewicht

Neben den Bearbeitungen stehen Eigenkompositionen, die zeigen, wie sehr SHALOSH über reine Virtuosität hinausgewachsen sind. Ella Plays, inspiriert von Sterns Tochter, schwebt in zarter Melancholie. Point of Gravity, beeinflusst von Khalil Gibran, zieht in dunkle, poetische Tiefen. Und Circle öffnet sich mit meditativen Harmonien weit in Richtung Transzendenz.

Was all diese Stücke eint, ist die spürbare Nähe zwischen den drei Musikern: eine unaufgeregte Kommunikation, in der Vertrauen wichtiger ist als Technik. „Unsere Band ist ein geschützter Raum“, sagt Assayag. Diese gegenseitige Akzeptanz wird zur Grundlage eines Sounds, der offen, warm und zutiefst menschlich wirkt.

Die Schönheit des Suchens

What We Are Made Of ist weit mehr als ein weiteres Jazzalbum – es ist ein Manifest der Offenheit. SHALOSH zeigen, dass wahre Authentizität im Mut liegt, Widersprüche zuzulassen. Ihre Musik feiert Gegensätze, Übergänge und das kreative Ringen um Sinn.

In einer Zeit, in der vieles laut, schnell und eindeutig erscheinen will, klingt dieses Album wie ein Gegenentwurf: neugierig, sensibel, kompromisslos ehrlich. SHALOSH haben mit What We Are Made Of nicht nur ihr bisher ausgereiftestes Werk vorgelegt – sondern vielleicht das überzeugendste Argument dafür, dass musikalische Freiheit kein Stil, sondern eine Haltung ist.

SHALOSH live 2026

20.02. Eilat (IL) Red Sea Jazz Festival 2026
07.04. Berlin (DE) A-Trane
08.04. Berlin (DE) A-Trane
09.04. Amsterdam (NL) Bimhuis
11.04. Hamburg (DE) Halle 424
13.04. London (UK) Ronnie Scott’s Jazz Club
15.04. Prague (CZ) Novoměstská radnice
16.04. Budapest (HU) Budapest Music Center
20.04. Vienna (AT) Porgy & Bess
21.04. Paris (FR) New Morning
21.08. Worms (DE) Jazz and Joy 2026
26.11. Nordhausen (DE) Jazz-Club Nordhausen e.V.
03.12. Malmö (SE) Victoria Teatern