Nobbis Plattentipps: Machiavel „urban games“ (1979)

Nobbis Plattentipps: Diesmal Machiavel „urban games“ (1979). FOTO: Peter "Beppo" Szymanski

Nobbis Plattentipps: Machiavel „urban games“ (1979)

Nobbi Schumacher stellt auf J&R regelmäßig besondere Platten vor oder solche, die er Plattenfans mal wieder in Erinnerung rufen möchte. Nobbi betreibt seit 22 Jahren einen Plattenladen in der Marienstraße 21, 53225 Bonn. Der leidenschaftliche Sammler ist dafür bekannt, Vinylfreaks fast jedes Schätzchen besorgen zu können. Der Laden ist jedenfalls eine echte Fundgrube für Plattenfreunde mit kleinem und großem Portemonnaie. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 10 bis 19 Uhr, samstags: 10 bis 18 Uhr. Telefon: 0228/466595.

Unbekannte Aufnahmen von Supertramp? Wer die Augen schließt, könnte tatsächlich annehmen, dass sich Mitglieder der britischen Pop/Rock-Band vielleicht noch mit Leuten von Styx zusammengetan haben, um nochmal ein paar Stücke aufzunehmen, die eine Spur mehr in Richtung Prog und ein wenig Queen gehen, ein wenig anspruchsvoller vielleicht, aber im Geiste ihrem emotionalen Ansatz treu bleiben. Manches hört sich sogar etwas nach wildem Elton John („I’m Not A Loser“) an. Machiavel „urban games“ ist tatsächlich ein Album mit großem Anspruch, Machiavel ist allerdings keine britische, sondern belgische Band mit Albert Letecheur (Keyboards), Jean Paul Devaux (Guitars), Marc Ysaye (Drums), Mario Guccio (Vocals und Sax) und Roland De Greef (Bass, Bass Pedals).

Im Geiste von Genesis

Die Progressive Rockband wurde in den frühen 70er Jahren gegründet. Die Debüt-LP von 1976 war eine Mischung aus klassischem Rock und britischem Prog/Artrock im Geiste von Genesis. Die folgenden  Alben „Jester“ und „Mechanical Moonbeams“ entwickelten einen persönlicheren Stil, und die Band fand mit dem Sänger Mario Guccio ihren unverkennbaren Sound. Mit „Urban Games“ zog die Band zu kommerzielleren Songs in Richtung Supertramp mit prägnanten Pianoeinsätzen über, wobei gewisse Genesis-Einflüsse natürlich noch blieben, und gewann ein neues Publikum, das 1980 mit „Fly“ einen großen Erfolg erzielte, inspiriert vom Sound von The Police.

Etwas mehr in Richtung Kommerz

Urban Games erhielt damals nicht so gute Kritiken. Das hing sicherlich einmal damit zusammen, dass der Punk gerade so hochgehängt wurde, andererseits die Band sich etwas mehr in Richtung Kommerz bewegte. Dennoch ist es ein ziemlich gutes Album. Sehr engagiert mit etlichen guten Momenten. Zudem veröffentlichten sie mit „Mechanical Moonbeams“ ein Jahr zuvor ein vielseits umjubeltes Prog-Album, bei dem der Supertramp-Einfluss völlig wegradiert war und sogar der Einsatz des E-Pianos ziemlich stark reduziert worden war.

Mechanical Moonbeams“

Tatsächlich war der Vorgänger rockiger, lauter, Gitarrenorientierter, mit ziemlich rauen Vocals, die teilweise sogar an Bon Scott erinnerten. „urban games“ mag daher so manche Fans und Kritiker irritiert haben. Das Album klingt aber auch zeitlos. Ich bin sicher, heute herausgebracht, würde es sofort einschlagen. Der Erfolg gab der Band aber Recht. Es war ihr bislang bestverkaufte Album. Allerdings war die Frage nach dem Weg offenbar eine große: Albert Letecheur und Jean-Paul Devaux schieden 1979 aus der Gruppe aus.

Mario Guccio starb am 20. Januar 2018

Nach der Veröffentlichung von „Break Out“ nahmen sich die Band 1981 ein langes Sabbatical. Sie haben sich 1987 kurz reformiert, und 1998 kam der echte Neuanfang mit dem Keyboarder Hervé Borbé hinzu. Seitdem haben sie ihr 12. Studioalbum 2013 veröffentlicht. Sie haben sich zu einer einzigartigen „Artrock“-Band mit progressivem Touch entwickelt. Der Sänger Mario Guccio starb am 20. Januar 2018 im Alter von 64 Jahren nach einem Kampf gegen den Krebs. Die Band tourt heute noch.