JCM ist ein musikalisches Kraftwerk: Ex-Colosseum-Musiker in der Harmonie Bonn

Jon Hiseman in der Harmonie. FOTO: Peter "Beppo" Szymanski

Ein reiner Colosseum-Abend wurde es nicht. Und wahrscheinlich war es auch gut so, denn die drei Helden der einstigen einflussreichen progressiven Jazz-Rock-Formation, die nur als JCM auf Tour sind,  spielten sich in der Harmonie Bonn frei von Nostalgie. Hin wieder blickten Gitarrist Clem Clempson, Bassist Mark Clarke und Drummer Jon Hiseman freilich schon in den Rückspiegel, aber nur, um dann wieder Vollgas zu geben.

Von Mike H. Claan

Clem Clempson FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

„Kettle“ ist ja schon ein echtes Rockbrett von Colosseum und sicherlich ein würdiger Opener für solch ein Powertrio wie JCM – eine Hommage an den früheren Saxofonisten und legendären MitmusikerDick Heckstall-Smith‎, wie Hiseman später sagte. In der Bonner Harmonie bewies Mark Clarke von Anfang an, dass er eine kraftvolle Rockröhre ist, und Clem Clempson raste praktisch ohne Vorwärmphase in ein sehr wahwah-betontes Solo. JCM sind ein Musikkraftwerk. Das sollte wohl die Botschaft sein. Die Dinosaurier des Jazz-Rock haben ihre Tour ja nicht ohne Grund „Heroes“ genannt – auch wenn die Musiker damit ihre eigenen Helden meinen. Eine Verneigung vor all den vielen Weggefährten. Und gerade Clempson und Clarke hielten das Banner jedenfalls das ganze Konzert über hoch. Jon Hiseman indes schien an diesem Abend leicht angeschlagen.

Melancholische Jack-Bruce-Nummer

Mark Clarke FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Mit Flageolette-Arpeggien beginnt Clempson die melancholische Jack-Bruce-Nummer „Weird of Hermiston“. Auch hier sticht Clarkes Gesang hervor. Aber der 67-jährige Liverpooler hat in all seinen Formationen von Uriah Heep bis Rainbow immer wieder bewiesen, welche Vokalkraft neben seinem virtuosen Bassspiel in ihm steckt.

Clempson spielt auf dieser Nummer eine solch sensible wie intelligente Gitarre, dass es einfach eine Freude war, ihm zuzusehen. Von dem einstigen Cream-Bassisten spielte das Trio auch das eher Blues-orientierte „Grease the Wheels“.

Die Band zeigte sich an diesem Abend vielseitig (bei der Colosseum II-Ballade „Rivers“ wurde es geradezu hymnisch), spielfreudig – und durchaus einfallsreich bei ihrer Songauswahl. Da kam etwa mit „Yeah, Yeah, Yeah“ ein alter Song der Band Tempest, die Hiseman 1972 als Jazz-Rock-Quartett gegründet hatte – mit dem wunderbaren Allan Holdsworth an der Gitarre. Der Song: Beatles trifft Colosseum.  Nach der Pause spielte JCM noch eine weitere Nummer aus dieser Hiseman-Phase: „Strangeher“.

Erinnerung an „Colosseum Live“

Als die Zeilen „I lit a flame to happiness, smoke got in my eyes/I saw may shadow laughing, but couldn’t quench the fire“, da wussten die Fans, es kommt etwas von der Stimmung auf, die das Album „Colosseum Live“ so unsterblich gemacht hat: Skellington

Die Band spielt „The Real Great Escape“ von Larry Coryell, Humble Pies „Four Day Creep“ als Akustiknummer und dann kommt endlich doch noch „The Inquisition“ und Hisemans 17-minütiges Schlagzeugsolo, auf das viele gewartet haben. Ein beeindruckender Abend!