Pristine und Siena Root: Zwei skandinavische Rockbands lassen die Luft in der Harmonie brennen

Pristine mit Heidi Solheim in der Bonner Harmonie FOTO: Peter "Beppo" Szymanski

Skandinavien rockt. Mit Pristine und Siena Root hat der Bonner Konzertveranstalter Jürgen Both gleich zwei Rockperlen aus dem hohen Norden in die Harmonie nach Bonn geholt. Ein fantastischer Abend!

Von Mike H. Claan

Pristine mit Heidi Solheim in der Bonner Harmonie FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Pristine brennt für ihren wilden Retro-Rock – und Frontfrau und Band-Chefin Heidi Solheim sowieso. Die Band spielte vor etwa anderthalb Jahren in der Kölner Kantine als Support von The Brew, und hat da schon völlig überzeugt. Mittlerweile steht die Truppe bei Nuclear Blast unter Vertrag und hat dort ihr viertes Album „Ninja“  veröffentlicht.

In der Bonner Harmonie konnten die Norweger das Publikum mühelos von ihren Qualitäten überzeugen.  Wenn Heidi Solheim vollen Inbrunst singt und die roten Haare im Scheinwerferlicht wie Flammen um ihr Gesicht wehen, dann ist das alleine schon beeindruckend. Und der Opener „The rebel song“ vom aktuellen Album „Ninja“ passt genau richtig dazu. Energiegeladen geht es mit „California“ und „(I’m gonna give you) All of my love“ weiter. Dass die Band so authentisch und so roh rüberkommt, wie auf ihren Alben, hängt mit der von Heidi verfochtenen Philosophie zusammen. „Wir nehmen unsere Alben ja auch live im Studio auf. Das gehört zu unserer Philosophie der 70er-Rockmusik. Dazu gibt es keine andere Option, weil das eine gewisse Rauheit kreiert und Energie freisetzt. Das ist schon magisch. Das ist etwas anderes, wenn sich die Musiker beim Spielen

Pristine mit Heidi Solheim in der Bonner Harmonie FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

sehen können. Wir sind eben in erster Linie eine Liveband“, sagte sie im J&R-Interview.

Pristine hat sich dem Bluesrock alter Schule gewidmet, und ihre kräftige, raue Stimme hat kein Problem, sich gegen die restliche Band durchzusetzen. Man begibt sich auch mal in die 70er-Psychedelik,  bekennt sich aber durchweg dem klassischen Blues. Immer wieder treibt die in Schwarz gekleidete Frontfrau ihre Band an. Gitarrist Espen Elverum Jacobsen wechselt immer wieder sein Instrument und bedient mal stramme Riffs oder entlockt seinen Fingern irre Improvisationen.

„Louis Lane“ und „Reboot“ vom Album Reboot geben Zeit, etwas zu Atem zu kommen, dafür spielt Heidi Solheim aber die Spannweite ihrer beeindruckenden Stimme aus. Eines der Highlights ist auf jeden Fall der Titelsong vom aktuellen Album mit einem ausgezeichneten Intro  von Keyboarder Nick Flade, Drummer Ottar Tøllefsen und Bassist Gustav Peder Eidsvik bilden eine sturmfeste Rhythmustruppe. Klasse Konzert!

Siena Root in der Bonner Harmonie FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Tolle Band auch die schwedischen Psychedelic-Prog-Rocker Siena Root. Die bange Frage bei dieser Truppe ist ja immer wieder, wer am Ende am Mikrofon stehen wird. Nach dem Samuel Björö nach dem Weggang von Jonas Åhlén den Gesangspart übernommen hatte und auf dem Album A Dream Of Lasting Peace ja wirklich erstklassige Arbeit abgeliefert hatte, verließ dieser auch gerade erst im Dezember die Band. In Bonn war dann mit Lisa Lystam ein durchaus respektabler Ersatz dabei. Ihre Sänger wechselt die Band ja öfters, meistens mit bereits bewährten. Nun also mit einer Bluesbetonten Neuen. Das Gründungsmitglied, der Bassist / Sänger Sam Riffer und Schlagzeuger / Sänger Love „Billy“ Forsberg bilden indes weiterhin den Kern der Gruppe.  Der psychedelische Anteil bleibt aber trotz des Weggangs von Gitarrist KG West noch gehörig.

Die Band ist eine, die af die Bühne gehört. Die Vitalität springt den Fans mit jedem

Siena Root in der Bonner Harmonie FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Takt ins Gesicht, die Stärke der Hooks und die Ausgewogenheit im Spiel passen zur überwiegend positiven Grundstimmung, die an frühe Pink Floyd und Led Zeppelin, aber auch an die Doors erinnert. Die Truppe versprüht mit ihrem Flower-Power-Sound auch sowas wie Woodstock-Feelings.

Insgesamt muss man sagen, dass Siena Roots vielleicht sogar etwas vielschichtiger und subtiler rüberkommt als Pristine, aber ihre Ansprüche sind eben auch andere. Pristine bleibt stets erdig, wo Siena Root schon gerne auch mal abhebt. Insgesamt ein tolles Konzert, das gerne wiederholt werden darf!