Nobbis Plattentipps: The Golliwogs ‎“Pre-Creedence“ (1975)

Nobbis Plattentipp diesmal:  The Golliwogs ‎"Pre-Creedence" von 1975. FOTO: Dylan Cem Akalin

Nobbis Plattentipps: The Golliwogs „Pre-Creedence“ (1975)

Nobbi Schumacher stellt auf J&R regelmäßig besondere Platten vor oder solche, die er Plattenfans mal wieder in Erinnerung rufen möchte. Nobbi betreibt seit 22 Jahren einen Plattenladen in der Marienstraße 21, 53225 Bonn. Der leidenschaftliche Sammler ist dafür bekannt, Vinylfreaks fast jedes Schätzchen besorgen zu können. Der Laden ist jedenfalls eine echte Fundgrube für Plattenfreunde mit kleinem und großem Portemonnaie. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 10 bis 19 Uhr, samstags: 10 bis 18 Uhr.

Die Songs stammen aus der Zeit, wo sie noch unter zwei Minuten lang sein durften und die Gitarren noch klangen wie E-Gitarren eben ohne viel Schnick-Schnack klingen: blechern, metallisch, clean, mit einem ordentlichen Hall versehen. „Pre-Creedence“ ist ein Kompilationsalbum einer Band, die sich 1968 in Creedence Clearwater Revival umbenannte. Bis dahin nannten sich John Fogerty (Lead Guitar und Gesang), Tom Fogerty (Rhythmusgitarre und Gesang), Stu Cook (Bass) und Doug Clifford (Drums) noch The Golliwogs. Vier Jungs aus einem Kaff in der Bay-Area bei San Francisco, die schon seit 1959 als Lokalband (The Blue Velvets) durch die Gegend fuhren und auf Straßenfesten und kleinen Festen auftraten.

Mitte 1964 nahm die Band zwei Songs für das in San Francisco ansässige Label Fantasy Records auf, weil das Label gerade einen Hit in den Radios hatte. Offensichtlich versprachen sich die Jungs einiges von der Wahl. Max Weiss, einer der Miteigentümer von Fantasy, änderte zunächst den Namen der Gruppe zunächst in „The Visions„, aber als ihre Songs als Single veröffentlicht wurden, benannte Weiss sie im November 1964 in The Golliwogs um, eine offensichtliche Anspielung auf eine einst beliebte Minstrel-Puppe namens Golliwog. Sieben Singles wurden in der San Francisco Bay Area veröffentlicht. Für das Komponieren der ersten sechs Singles nahmen die Fogerty-Brüder die Pseudonyme „Rann Wild“ und „Toby Green“ an, und alle Songs wurden Wild und Green zugeschrieben.

Große Erfolge hatte die Band nicht vorzuweisen. „Brown-Eyed Girl“ erreichte 1966 immerhin in Florida Platz 10 der Billboard-Charts. Aus der Geschichte wissen wir, dass John Fogerty schließlich die Kontrolle über die Gruppe übernahm und alles Material schrieb, die Lead Vocals übernahm und sich zu einem Multi-Instrumentalisten entwickelte, der neben Lead-Gitarre Keyboards, Harmonika und Saxophon spielte. Die letzte Single der Gruppe „Porterville“ wurde Ende 1967 veröffentlicht, wobei John Fogerty beide Seiten der Single als „T. Spicebush Swallowtail“ schrieb.

Im Dezember 1967 änderten die Golliwogs ihren Namen in Creedence Clearwater Revival (CCR). Die Single „Porterville“ wurde im folgenden Monat als erste Single von Creedence Clearwater Revival neu aufgelegt. Das erste Album der Band wurde im Juli 1968 veröffentlicht.

The Golliwogs „Pre-Creedence“, das mir erst am vergangenen Wochenende in die Hände fiel und in einem exzellenten Zustand ist, wurde 1975 veröffentlicht, nachdem sich CCR aufgelöst hatte. Das Album besteht aus Tracks, die unter dem früheren Namen der Band aufgenommen und veröffentlicht wurden, obwohl die letzten zwei Songs auf dem Album, die ursprünglich 1967 als Golliwogs-Single veröffentlicht wurden, 1968 als erste CCR-Single wiederveröffentlicht wurden. Besonders erfolgreich war diese Compilation, glaube ich, nicht. Es war eben noch sehr in der Vergangenheit verankert, und 1975 war doch schon die Zeit, in der der Rock schon längst neue Wege des Ausdrucks gefunden hatte.

Was sehr schön an diesem Album ist, ist, die Entwicklung der Band zu verfolgen: von den ersten noch ganz im Geiste der 50er Jahre entstandenen, fast schnulzigen Songs zu den immer raueren Sounds der späten CCR. Man spürt geradezu, wie John Fogerty immer mehr dominiert mit seiner prägnanten Stimme. „You Better Be Carefull“ hat schon fast leichte Anklänge an späte Psychedelic Rocksongs. Dieser Song wie „Fight Fire“ sind noch aus der Feder von Bruder Tom. Auch dieser äußerst wild für seine Zeit, mit einem richtig ekstatische Mittelteil und dem Rhythmuswechsel ist er ungeheuer zeitlos. Ein Supersong! „Walking On The Water“ ist schon sehr CCR!