Mike + The Mechanics präsentieren auf „Out Of The Blue“ drei neue Songs und Neuaufnahmen ihrer Klassiker

Mike And The Mechanics FOTO: BMG

Eigentlich ist es die logische Konsequenz, nachdem Mike Rutherford seinen Mechanics vor acht Jahren einen Relaunch verpasste. Die Idee: Nehme drei brandneue Songs und eine Handvoll Klassiker mit dem neuen Line-Up auf und presse sie auf eine Platte. Das Album heißt Out Of The Blue und ist ab Freitag, 5. April 2019, in mehreren Versionen erhältlich. Die Deluxe Version enthält zudem sechs atemberaubende neu aufgenommene „As-Live“-Akustik-Versionen von „Don’t Know What Came Over Me“, „The Best Is Yet To Come“, „The Living Years“, „Beggar On A Beach Of Gold“, „Another Cup Of Coffee“ und „Over My Shoulder“.

Von Lina Macke

Nachdem er in den letzten 10 Jahren mit den Mechanics tourte, habe er festgestellt, dass sich die alten Songs mit Andrew Roachford und Tim Howar immer ein bisschen verändert hätten, erklärt Mike Rutherford. „In einigen Fällen wurden sie erweitert und entwickelten sich also – so schien es eine gute Idee, diese Versionen endlich im Studio aufzunehmen: Jeder, der uns live gesehen hat, wird sicherlich gerne die alten Songs in dieser Form hören, weil sie zeigen, wie gut die beiden Sänger harmonieren. Besonders bei einem Song wie ‚Get Up‘, der sich zu einer doppelten Lead-Stimme entwickelt hat“, sagt er.

Erinnert etwas an „Rewired“

Seite A startet mit drei neuen Songs, die alle Andrew Roachford singt. „One Way“ beginnt leise mit einem Beat und Sound, der ans Album „Rewired“ (2004) erinnert – ein Lied mit einer feinen Melodie. Ein paar überraschende Elemente wie der Gitarrenteil nach der Bridge gibt es zwar hier und da, aber Begeisterung kann der Song bei mir nicht auslösen.

Der Titelsong hat eine eingängige Melodie, der Sound ist mir aber ein wenig zu flach, weil es keinen echten Spannungsbogen gibt, auch wenn Andrews Gesang stark ist. „What Would You Do“ ist der stärkste der drei neuen Songs, die alle von Mike Rutherford, Andrew Roachford und Clark Datchler geschrieben wurden, die bereits am Vorgängeralbum „Let Me Fly“ gearbeitet haben, auf dem aber eindeutig stärkere Songs sind.

Stark am Original

Was ist nun mit den neuaufgenommenen Hits aus den letzten drei Dekaden? Paul Young, der ja leider schon 2000 verstorben ist, und Paul Carrack, der die Band 2006 verließ, waren einfach unglaublich starke Sänger, die den Songs ihre markanten Stempel aufgesetzt haben.

Mike Rutherford hat auf jeden Fall die Dynamik der Songs hervorgehoben. Das ist die gute Nachricht. „The Living Years“  beginnt wie in einer Live-Show mit einer Art improvisiertem Intro, und Andrew bewegt sich mit seiner Stimme auf einem warmen Strom von Keyboard-Sounds, bis der bekannte Gitarrensound erklingt. Die neue Aufnahme hält sich aber weitgehend am Original. Im Gegensatz zu den drei neuen Songs ist dies offensichtlich eine Bandaufnahme mit echten Drums. Immerhin.

Schöne Fassung von „Get Up“

Seinen ersten Auftritt auf dem Album hat Tim Howar mit „Beggar On A Beach Of Gold“, und ich finde, dass er hier merkwürdig zurückhaltend klingt. „Get Up“ ist einer der Songs, die sich im Laufe der Jahre zu einer Art Duett zwischen Roachford und Howard entwickelt haben. Die Fassung hier fängt das Live-Feeling der letzten Touren wirklich sehr schön ein. Es gibt ein kurzes Solo von Mike. Wunderbar.

„Another Cup Of Coffee“ ist ein 20 Jahre alter Klassiker, der hier seinen Rhythmusklang beibehält, aber im Bass ausgeprägter ist. Insgesamt aber vielleicht ein wenig zu sehr am Original verbleibend. „All I Need Is A Miracle“ passt gut zu Howar. Der Song aus dem Jahr 1986 darf auf keinem Konzert fehlen. Der Song klingt rauer und dadurch moderner als das Original.

„Silent Running“

„Silent Running“ ist ja der erste Hit von Mike And The Mechanics, und ist einem sehr gewohnt im Ohr. Der Song beginnt sehr ähnlich wie das Original, aber ohne das Intro: Es erklingt ein kurzer Keyboard-Sound, und dann beginnt schon der Gesang. In der Mitte des Songs spielt Rutherford das Solo, so wie man’s aus den Live-Gigs kennt. Die letzte Strophe unterscheidet sich vom Original dadurch, dass er nur sparsam instrumentiert ist, bevor Bass und Schlagzeug wieder einsetzen.

„Over My Shoulder“ und „Word Of Mouth“ klingen schon so stark wie die Originalfassungen, dass man sich wundert, dass sie überhaupt neu aufgenommen wurden.

Fazit: Ein Album für Fans, aber stärker noch hätte ich mich über ein echtes Livealbum gefreut, das man ja durchaus um drei Studioaufnahmen hätte erweitern können. So ähnlich wie „Three Sides Live“, von Genesis.

Mike + The Mechanics „Looking Back Over My Shoulder Tour
Tickets: http://mikeandthemechanics.com/.

11.04.2019, Dresden – Konzertsaal / Kulturpalast
12.04.2019, Berlin – Admiralspalast
13.04.2019, Düsseldorf – Tonhalle
15.04.2019, Stuttgart – Liederhalle Hegelsaal
17.04.2019, München – Muffathalle
18.04.2019, Halle – Georg-Friedrich-Händel Halle
22.04.2019, Hamburg – Laeiszhalle