TÜSN „Trendelburg“ – Synthetisch, klar, romantisch, rätselhaft,

TÜSN FOTO: Jaro Suffner

Tüsn
Trendelburg
Veröffentlichung: 8. März 2019
Label: Tüsn (Soulfood)

Packt einen. Die Texte sind wohlüberlegt und klug. Der Sound erinnert an die 80er, als Ultravox, Howard Jones, The Cure und Alphaville einen ganz eigenen Sound schufen. Synthetisch, klar, romantisch, rätselhaft, exzellent produzierte Klänge. Das ist auch Tüsn.

Von Lina Macke

Das Berliner Indie-Synth-Pop-Rock-Trio um Sänger und Songwriter Stefan „Snöt“ Fehling, Bassist Daniel Kokavecz und Schlagzeuger Tomas Golabski lieben die großen Gefühle, die großes Gesten, die arrangierten und effektvollen Sounds, die auch schon mal wie die Düsen eines Jets wie aus dem Nichts die Dimensionen aufreißen. Tüsns zweites Album überzeugt mit teilweise wunderschönen Songs, nachdenklichen und empfindsamen Texten. Drama und Eigenständigkeit sind ebenso wichtige Voraussetzungen für ihre Musik wie eine gewisse Melancholie. Die bleibt sogar, wenn sie ihre Ironie ausspielen und Slogans wie die der Bild-Zeitung, des rechten Nationalismus oder der deutschen Wirtschaftskraft persiflieren.

Trendelburg“ steht für das gleichnamige nordhessische, märchenhaft-spätmittelalterliche Städtchen. Der Titeltrack ist auch der Opener eines Electro-Pops mit französisch-barockem Selbstbewusstsein: „Mein Name ist Ludwig, König in der Sonne, ich bringe den Champagner, baden wir in Wonne.“

Ohrwurmcharakter hat „Noch Mehr“ (den man tatsächlich immer wieder hören möchte), eine großartige, sparsam instrumentierte Pianoballade mit hinreißendem Gesang.

„Melanchotherapie“

„Melanchotherapie“ liegt zwischen abstrus-schleppendem 20er-Jahre-Schlager und leichtlebigem, effektvollem Synthie-Pop. Howard Jones hätte seine Freude an den Soundeffekten. Aber auch The Cure und Depeche Mode lassen schön grüßen. Der fabelhafte Text über die wunderbare Welt der Innensichten lässt den Zuhörer ebenso eintauchen in eine Fantasiewelt wie die Musik.

„Kranke Heile Welt“

Die Songs liegen tatsächlich zwischen uneingeschränkten Selbstbekenntnissen, leichten Liebesliedern und kritischen Betrachtungen, so wie „Kranke Heile Welt“, das beängstigendes Bild zeichnet. Die „Schalangen“, „Ratatten“ und „Löwöwen“ stehen für jene Menschen, die uns immer näher an den Abgrund bringen, sozial, ökologisch, menschlich. Die Welt ist in ihrem Video schon längst zerstört. Der Mensch ist allein auf sich gestellt, Merkwürdige Kreaturen haben von ihr Besitz genommen. Die Welt liegt in Trümmer. Die Medizin gegen diese Apokalypse ist die Liebe.

Ach ja, und was wir nicht vergessen dürfen. Die Musik taugt sowas zum Tanzen. Freuen wir uns auf die Live-Tour!

TÜSN Live 2019:

26.04. BREMEN – Tower Musikclub
27.04. ROSTOCK- Helga’s Stadtpalast
28.04. HAMBURG – Nochtspeicher
29.04. FRANKFURT / MAIN – Nachtleben
01.05. MÜNCHEN – Backstage
02.05. NÜRNBERG – Club Stereo
03.05. SAARBRÜCKEN – Garage Kleiner Klub
04.05. OSNABRÜCK – Kleine Freiheit
05.05. HANNOVER – Lux
07.05. KÖLN – Blue Shell
08.05. LEIPZIG – Moritzbastei
09.05. BRAUNSCHWEIG – Eulenglück
10.05. BERLIN – Urban Spree

Mehr Infos: www.tuesn.de