The Zombies in der Lichtburg Essen waren ein Ereignis

The Zombies in Essen FOTO: Peter "Beppo" Szymanski

Die jungen Leute kennen die Band da vorne nicht. ´“Kennen Sie die?“, fragen die mich. „Sie“! Das sind The Zombies, vielleicht eine der unbekanntesten großen Bands. In den 60ern überaus erfolgreich, wurden viele ihrer Songs von etlichen Bands gecovert. „Wartet’s ab“, sage ich. „Ihr werdet mindestens zwei Stücke wiedererkennen.“ So wie den beiden ging’s am Dienstag wohl so manchen in der Lichtburg in Essen. Am Ende aber stand der gesamte Saal und wollte die Band nicht von der Bühne lassen. Das war nicht nur ein Support für Uriah Heep, das war ein einstündiges Ereignis!

Von Mike H. Claan

The Zombies in Essen FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Für Tom Petty, Paul Weller und Dave Grohl ist das Album „Odessey and Oracle“ eines der stärksten der Rockgeschichte, und das Rolling Stone’s Magazine listete es auf Platz 100 der besten Alben aller Zeiten. Jetzt sind sie auch für die Rock’n’Roll Hall of Fame nomminiert. Auf der Bühne der Lichtburg klingt die Band, die 1961 von Keyboarder Rod Argent (72) und Sänger Colin Blunstone (73), beide noch (bzw. wieder) dabei, gegründet wurde, unglaublich frisch und modern – auch wenn sie mit „Road Runner“ erst mal mit einem relativ konventionellen Bo Diddley-Cover beginnen.

„I Want You Back Again“

„I Want You Back Again“ ist einer von den frühen Songs der Sixties, in denen Jazz, Psychedelic und Soul eine Melange des Pop eingehen, es klingt aber unglaublich zeitgemäß. Das muss man ihnen lassen: Sie sind nicht der Verlockung verfallen, den Sound der Sixties wiederaufzuleben. Selbst solch ein Klassiker aus den Sechzigern wie „I Love You“ klingt, als sei er heute unter dem Eindruck von Soft Cell geschrieben worden. „Moving On“ klingt wie ein R’n’B-Stück der Neuzeit. Spätestens hier wird einem bewusst, wie sagenhaft geschmeidig Blunstone seinen Stimmumfang behalten hat, ja er klingt fast so gut wie noch nie.

Toller Gitarrist: Tom Toomey

The Zombies in Essen FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Apropos Klang: Die Band klingt fantastisch, der Sound im Saal ist umwerfend. Jede Nuance, jedes Instrument ist auf den Punkt. Besonders das Spiel zwischen Keyboards und der rockigen Gitarre von Tom Toomey gefällt mir. Überhaupt Toomey. Der „Neue“ hat einen sagenhaft geilen Gitarrensound, nur sanft verzerrt. Ich hätte ihm immer weiter zuhören können, diese wunderbaren Soli, immer die Melodie im Vordergrund. Einfach toll.

Colin Blunstone fantastischer Gesang

Und was für einen leicht angerauten Schmelz Blunstone bei „Care Of Cell 44“ immer noch auf den Stimmbändern hat, solch ein tänzelnd schöner Song, der, so wie auch das grandiose „This Will Be Our Year“ vom Album „Odessey and Oracle“ ist. Vor allem der letztere Song könnte auch von den Beatles sein. Ebenfalls von diesem 1968 erschienen Album ist „Time of the Season“, auf dem Argent eine wunderschöne Orgel spielt. Der Song verwendet ausführlich Call-and-Response-Vocals, die mit der Stimme von Blunstone und schnellen psychedelischen Improvisations-Keyboards verwoben sind. Die meisten werden den Song wohl eher in der Version der Dave Matthews Band kennen.

The Zombies in Essen FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Einer der Highlights: „Old And Wise“, ein Stück vom The Alan Parsons Project, an dem Blunstone ja auch beteiligt war. Schließlich der Ohrwurm „Hold Your Head Up“von Argent und zur Zugabe „She’s Not There“, von dem es auch eine wunderschöne Version von Santana gibt.