Nobbis Plattentipps: Magna Carta “Lord of the Ages“ (1973)

Nobbi in seinem Gewölbekeller, wo weitere tausende Platten lagern. Diesmal stellt er Magna Carta “Lord of the Ages” vor. FOTO: dylan Cem Akalin

Nobbis Plattentipps: Magna Carta “Lord of the Ages“ (1973)

Nobbi Schumacher stellt auf J&R regelmäßig besondere Platten vor oder solche, die er Plattenfans mal wieder in Erinnerung rufen möchte. Nobbi betreibt seit 22 Jahren einen Plattenladen in der Marienstraße 21, 53225 Bonn. Der leidenschaftliche Sammler ist dafür bekannt, Vinylfreaks fast jedes Schätzchen besorgen zu können. Der Laden ist jedenfalls eine echte Fundgrube für Plattenfreunde mit kleinem und großem Portemonnaie. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 10 bis 19 Uhr, samstags: 10 bis 18 Uhr. Telefon: 0228/466595.

Magna Carta “Lord of the Ages” ist eines der Lieblingsplatten aus meiner Jugendzeit. Da kann man auf einigen Stücken sogar tanzen!

Der Titeltrack beginnt zunächst ein wenig bedächtig, fast schon kitschig mit dem pathetischen Sprechgesang. Doch dann nimmt der Song eine andere, rockigere Grundhaltung an. Und das längere Gitarrensolo steigert den Progressive-Rock-Eindruck – auch wenn eine gewisse Tanz-Folk-Empfindung bleibt. Der Opener „I Wish It Was“ ist von völlig anderer Stimmung. Die Slideguitar vermittelt gar etwas Countryfeeling.

Scheinbare Leichtigkeit

Nach dem exzellenten Album „Seasons“ bestand die Herausforderung für Magna Carta darin, sich noch einmal zu steigern. Und das ist ihnen gelungen. Davey Johnstone verließ die Band, um zu Elton John zu kommen (ein schlauer Schachzug aus finanzieller Sicht!), Sein Platz wurde von Stan Gordon eingenommen. Das Line-up wurde wie immer um  einige würdige Musikern erweitert, darunter Gerry Conway (Schlagzeuger bei Cat Stevens) und Graham Smith, der kurz darauf zur Band stieß.

Vor dem Titelsong hören wir, wie gesagt, zwei typische melodisch-akustische Songs von Magna Carta. Die zweite Seite der Platte setzt die sanfte Atmosphäre dieser Tracks fort, „Song of evening“ hat einen inspirierenden, keltischen Refrain. „Father John“ weist ein paar auffallend hohe Harmonien auf, bevor das Tempo in einem Simon & Garfunkel ähnlichen Teil steigt. Die komplizierte Struktur des Liedes widerlegt die scheinbare Leichtigkeit der Musik.

Wunderschön gearbeitetes Album

Der letzte Track „Falkland Grene“ wurde für eine schottische TV-Serie mit dem Titel „Castles in the air“ aufgenommen. Die dem Lied innewohnenden Folk-Einflüsse werden durch feine Harmonien akzentuiert.

Insgesamt ein wunderschön gearbeitetes Album mit einem sensationellen Titeltrack. Das i-Tüpfelchen ist aus das Coverartwork: mit einem der schönsten Kunstwerke von Roger Dean.

Magna Carta ist eine englische Folkband, die 1969 in London von Chris Simpson, Lyell Tranter und Glen Stuart gegründet wurde. Sie waren Teil der frühen Progressive Bewegung, ohne jedoch wirklich in den progressiven Bereich einzutauchen. Die Musik von Magna Carta ist größtenteils inspiriert und beeinflusst von Leuten wie den schon genannten Simon & Garfunkel, die sich auf sanfte und zarte  akustische Musik konzentrieren, oft mit einem traditionellen Gefühl, ergänzt durch orchestrale Arrangements und gute vokale Harmonien. Zu den Einflussfaktoren und ähnlichen Künstlern gehören auch Fairport Convention, Kevin Ayers, Moody Blues, Amazing Blondel, Caravan, Al Stewart, das ganze sanftere Folk/Singer-Songwriter-Genre und die Canterbury-Bands.