Nobbis Plattentipps: Free „Highway“ (1970)

Nobbis Plattentipp: Heute stellt der Bonner Musikexperte ein Album von Free vor. FOTO: Dylan Cem Akalin

Nobbis Plattentipps: Free „Highway“ (1970)

Nobbi Schumacher stellt auf J&R regelmäßig besondere Platten vor oder solche, die er Plattenfans mal wieder in Erinnerung rufen möchte. Nobbi betreibt seit 22 Jahren einen Plattenladen in der Marienstraße 21, 53225 Bonn. Der leidenschaftliche Sammler ist dafür bekannt, Vinylfreaks fast jedes Schätzchen besorgen zu können. Der Laden ist jedenfalls eine echte Fundgrube für Plattenfreunde mit kleinem und großem Portemonnaie. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 10 bis 19 Uhr, samstags: 10 bis 18 Uhr.

„Highway“ ist das vierte Studioalbum der englischen Rockband Free. Es wurde extrem schnell im September 1970 nach dem Erfolg der Band auf dem Isle of Wight Festival aufgenommen. Es ist ein zurückhaltendes und introspektives Album im Vergleich zu seinen Vorgängern. Auf „Highway“ geht’s ruhig los, aber ohne ihren markanten erdigen, geerdeten Sound zu opfern, der von Paul Rodgers sanften, charismatischen Vocals definiert wird.

„Highway“ klingt folkiger und gemessener als bisherige Free-Alben mit dem vorletzten Track „Bodie“, der sogar einen Country-Flair hat. In diesem Sinne ist es nicht verwunderlich, dass die Highlights des Albums nicht die geschmeidigen Stränge von „The Stealer“ oder die schweren Grooves von „Ride on a Pony“ sind, sondern ein Quartett von Balladen, die zu Frees bestem Werk gehören. „Be My Friend,“ ‚Sunny Day,“ „Love you So,“ und „Soon I Will Be Gone“  bieten jedem Songwriter einen Standardkurs zum Schreiben einer großartigen Ballade.

„Soon I Will Be Gone“ macht Gänsehaut am ganzen Körper, und das wunderschöne „Love You So“ wird noch emotionaler, wenn man den Video-Tribut an den verstorbenen Gitarristen Paul Kossoff sieht. Leider löste sich Free (vorübergehend) nach „Highway“ auf, und Kossoff schlug einen traurigen Weg ein, an dessen Ende der Suizid stand, aber Songs wie „Be My Friend“ und „Soon I Will Be Gone“ bleiben unsterblich.

Paul Kossoff konnte mit dem plötzlichen Ruhm nicht umgehen, und erinnerte sich an die Folgen von „All Right Now“ als „eine große Zunahme des Drucks aus allen Blickwinkeln“, so Phil Sutcliffe. Er bevorzugte die ernsteren, gewichtigen Songs auf dem Album, wie „Be My Friend“, das er als Gegenmittel zur „Frivolität“ von „All Right Now“ sah.

Es war ihr letztes Album, das mit dem Rückenwind des Erfolgs aufgenommen wurde. Von den Folgen von Kossoffs wachsender Drogenabhängigkeit und der temporären Trennung der Band konnte sich Free nie wieder richtig erholen. Einige, wie etwa Simon Kirke, meinten, dass der Tod von Jimi Hendrix, der während der Sessions für dieses Album auftrat und den Kossof sehr verehrte, ein wichtiger Faktor für seinen Zusammenbruch gewesen sei.