Midas Fall schwelgt auf dem neuen Album „Evaporate“ zu sehr in schönen Sounds

Das Duo Midas Fall FOTO: Bandpromo

Midas Fall: Evaporate
VÖ: 4. Mai 2018
Label: Monotreme (Cargo Records)

Von Lina Macke

Das schottische Duo Elizabeth Heaton und Rowan Burn, das sich Midas Fall nennt, vereint auch auf ihrem neuen Album Evaporate Elemente aus Electronica, Ambient, Post-Rock und Alternative Rock mit progressiven und Gothic Untertönen. Da schwelgen langgezogene Frauenstimmen durch die von Multi-Instrumentalistin Rowan Burn geschaffenen esoterischen Soundlandschaften, in die die E-Gitarre einbricht. Elektronische Sounds bilden die Grundlagen für E-Gitarren voller Hall und Verzerrer, über die die Frauenstimme sehnsuchtsvoll klagt.

Midas Fall hat sicherlich einen eigenen Sound, der ihre Fans fesselt. Die melancholischen Vocals von Elizabeth Heaton sind aber nur dann wirklich bedeutungsvoll, wenn sie als Leadvocal genutzt wird (wie etwa bei „Soveraine“ oder besonders bei „Glue“) und nicht als Endlosschleife für auf Dauer dann doch etwas ermüdende Electronica.

Es fehlen Ecken und Kanten

Die beiden schottischen Damen schwelgen zu sehr in ihren Vorstellungen von schönen Sounds, dass sie völlig vergessen, dass man diese umso mehr schätzen würde, wenn es auch ein paar Ecken und Kanten gäbe. Der Zuhörer wird genau diese vermissen, weil sie auch dazu dienen können, Orientierung zu geben. Da ist kaum etwas Einprägsames, da bleiben kaum Melodien im Gedächtnis Und so bleibt vielleicht „Glue“ der einzige Song mit echtem Potenzial.

Der Titeltrack beginnt als Kammermusik mit Viola und Cello, wird aber mit seinen modernen Klangexperimenten, synkopierten Rhythmen und Piano-Streuseln bedrohlicher. Der Opener „Bruise Pusher“ ist ein Engelsgesang über trällernden Hintergrund, der sich in die Finsternis schlägt. „Dust and Bone“ bringt zwar ein paar Dissonanzen und wirkt insgesamt etwas beunruhigend, doch ohne feste Struktur.

Bilder eines herannahenden Frühlings

Wohlfühloasen bieten „Sword to Shield“ mit einer Musik, die für Entspannungsübungen ideal wäre. „In Sunny Landscapes“  kommt so zurückhaltend daher, als wäre alles Leben ausgelöscht, während „Lapsing“ wie der Soundtrack zu einem Naturfilm klingt: Bilder eines herannahenden Frühlings, der Bäche zum Schmelzen bringt und sie am Ende zu einem großen Strom vereinigt. Und dann, mit einem letzten Gebrüll der Macht, kommt dann doch noch sowas wie Progressive-Rock-Stimmung auf: „Howling at the Clouds“.

Evaporate ist eine feenhafte Reise, die am besten für nächtliche Schlummerstunden geeignet ist.