Nine Below Zero überzeugt in Bonn auch ohne Mark Feltham

Nine Below Zero FOTO: Peter "Beppo" Szymanski

Mark Feltham ist nicht da. Der sonst überaus präsente Mundharmonika-Spieler/Sänger der Londoner Bluesband Nine Below Zero fehlt. Wegen des Todes seiner Mutter konnte der 61-Jährige am Donnerstag nicht in der Harmonie spielen. So sehr der gerade erst in England zum besten Bluesharmonikaspieler gekürte Musiker auch fehlte, für die Stimmung im Bonner Musikclub tat das keinen Abbruch.

Chris Rand FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Und dann war da ja auch noch Chris Rand. Der Saxofonist und Keyboarder, der auch schon beim Album „13 Shades Of Blue“ beteiligt war, sorgte mit seinen enthusiastischen Soli für einen ganz neuen Kick in der Band. Und dass der Mann im Chicago Blues und Hard Bop verwurzelt ist, das hörte man seinem Stil an.

Nine Below Zero, sind ja eh eine Band, die gerne jede Nuance der Blues-Vorgeschichte erforscht. Und so nahmen sie das Publikum auch dieses Mal wieder mit auf eine Rhythm & Blues-Reise, auf der der Funk ebenso liegt wie alle wesentlichen Blues-Elemente von Soul-Blues, R’n’B, Chicago und Country Blues bis zum Louisiana-Cajun-Stil. Die Band ist von einer erfrischenden Vielseitigkeit und hat ein natürliches Gefühl dafür, seltenen und Retro-Blues-Songs frisches Leben einzuhauchen.

Dennis Greaves FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Natürlich füllt Nine Below Zero auch viel alten Wein in neuen Flaschen, aber dennoch hat die Band Qualitäten und vor allem die Bereitschaft, sich zu verändern, neues zu entdecken – und bleibt bei alledem immer die R’n’B-Band, die die Fans kennen. Und so haben ihre Konzerte auch viel mit Party zu tun, denn das ist Musik, die Spaß macht, die zum Tanzen anregt.

Ein Blick auf ihre Setlist offenbart eine breite Palette von Material, das in R’n’B verwurzelt, aber nie daran gebunden ist. Und der Einsatz von Bläsern auf ihrem neuen Album respektive eines Saxofonisten in der Harmonie gibt dem Bandsound einen frischen neuen Swingsound.

Die musikalische Vision von Dennis Greaves, diesem charitmatischen Sänger und Gitarristen, der an diesem Abend auf seiner Fender Strat wieder einen sagenhaften Sound hatte, wird bestimmt durch eine ausgewogene Balance von Planung und Spontaneität, die den Musikern auf der Bühne viel Spielraum lässt. Das macht die Musik lebendig.

Ben Willis FOTO: Peter „Beppo“ Szymanski

Dennis Greaves überzeugte mit einer überraschenden, raffinierten Gitarrenarbeit, einer gefühlvollen Stimme und der Kunst des Bühnenhandwerks, die vielen anderen Musikern fehlt – nämlich die des Entertainers. Die Band startet mit dem melodischen „Mechanic Man“, der fast von den Beatles sein könnte, löst eine Lawine von Funk aufs Publikum aus, begeistert mit „I Can’t Do My Homework Anymore“ und dem verspielten „The Hoochie Coochie Coo“ und John Mayalls fiebrigem „Crawling Up A Hill“, das irgendwie sehr nach Seventies klingt, präsentiert auch altbewährte Schätzchen wie „Ridin’ On The L&N“ und „Don’t Point Your Finger“.

Die Band weiß um den Wert von Raum und Zeit, wo jede Note bedeutsam sein kann. Das macht sich besonders auf dem Swoop „Crawling up the Hill“ von letzten Album bemerkbar. Und dann dürfen auch Rock‘N‘Blues-Klassiker wie „Pack, Fair & Square“ sowie das abgefahrene „Wooly Bully“ von Sam The Sham & The Pharaos nicht fehlen. Ein glänzender Abend!