The Blues Giants sorgten für ein absolutes Konzerthighlight

The Blues Giants FOTO: Peter “Beppo” Szymanski

The Blues Giants sorgten am Dienstagabend in der Bonner Harmonie für ein absolutes Konzerthighlight.

Von Mike H. Claan

Sugaray Rayford FOTO: Peter “Beppo” Szymanski

Was für ein Entertainer! Ja, gute Musik kann auch unterhaltsam sein. The Blues Giants, eine Art Supergroup des Blues bestehend aus Sugaray Rayford (Sänger), Mike Zito und Albert Castiglia (beide Gitarre), Jimi Bott (Drums) und Willie J. Campbell (Bass), sind am Dienstagabend in der Bonner Harmonie angetreten, um genau das unter Beweis zu stellen. Das Konzert dürfte jetzt schon zu den Highlights des Jahres im Bonner Musikclub zählen.

Sugaray Rayford verfügt nicht nur über eine sagenhaft kraftvolle Stimme, für die er nicht mal ein Mikro braucht, sondern auch über ein unglaubliches Unterhaltungstalent. Der schwergewichtige Sänger mit den schwungvollen Hüften kündigte ja schon früh an, dass das nicht einfach nur ein Konzertabend, sondern eine große Party werden würde: „Shake it, Baby!“ Und so eroberte er das Publikum ohne Umschweife mit dem Opener „Try To Make a Living“ im Sturm – eine mitreißende Version des Koko Taylor-Stücks.

Mike Zito FOTO: Peter “Beppo” Szymanski

Albert Kings „Rub My Back“ geriet zu einer humorvollen Bluesexplosion – mit einem witzig-anzüglich tanzenden Sugaray und einem Castiglia, der völlig außer Rand und Band geriet.

Überhaupt das Gitarrenduo Castiglia und Zito, den viele in Bonn vor allem durch seine Kollaboration mit der „Southern Royal Brotherhood“ kennen: Die Beiden waren in überaus guter Spielverfassung. Castiglia springt der Musikwahn ja geradezu aus den Augen. Sein Stil ist roh und wild, sehr bluesrockorientiert, in dem jede Menge Soul- und Countryeinflüsse stecken. Dass Castiglia nicht nur ein flinker Mann an den fünf Saiten seiner Goldtop-Gibson ist, sondern auch über eine tolle tiefe Bluesstimme, die manchmal an Van Morrison erinnerte, verfügt, zeigte sich etwa bei der funky Nummer „Woman Don’t Lie“ von Luther Snakeboy Johnson, bei dem Bass und Drums gehörig Druck aufbauten.

Albert Castiglia FOTO: Peter “Beppo” Szymanski

Auch wenn das Slideguitarintro von Zito bei „Spoonful“ etwas aus der Form geriet, sein späteres Deltabluesorientiertes Solo war ganz große Klasse. Und Sugarays Gesang des alten Howlin‘ Wolf Klassikers sowieso, der vor allem durch Cream bekannt wurde. Zitos Version der Carl Perkins-Komposition „Matchbox“ war natürlich viel bluesiger, sein klares, sehr akkurates Gitarrenspiel hatte leichte Jazzanklänge. Zito hat tatsächlich einen anderen Spielstil als sein Freund Castiglia, für den er ja auch die eine oder andere Platte produziert hat und der auf etlichen Scheiben Zitos beteiligt ist. Dieses Kontrastprogramm ist es, was die Spannung bei jedem der Stücke hält. Zito mit seinem manchmal fast eleganten Duktus, Castiglia mit seiner Wucht und Rohheit.

Mike Zito wählte einen jazzigen Blues-Song von Ike Turner, um auch seine stimmlichen Qualitäten zu präsentieren. Sein Gesang war auch nicht von schlechten Eltern! So wie später auch die John Lee Hooker-Nummer „Shake It Baby“, auf der er ein tolles Slideguitarsolo spielte.

Willie J. Campbell FOTO: Peter “Beppo” Szymanski

Insgesamt nahm die Truppe ganz schön Fahrt auf auf ihrer Bluesreise, die auch zu Robert Nighthawks Shuffle „Bricks In My Pillow“ oder Freddie Kings schöne Ballade „Same Old Blues“ führte, die Castiglia mit einer sehr empfindsamen, clear gespielten Gitarre begleitete. Das war sicherlich der berührendste Teil des Abends. Albert Castiglia spielte ja mal in der Band von Junior Wells und zu Ehren seines ehemaligen Chefs brachte er dann noch dessen Nummer „Where Did I Go Wrong“ zur Aufführung.

Nicht zu vergessen ist die geniale Rhythmusgruppe: Kann es einen cooleren Bassisten als den Kaugummikauenden und Willie J. Campbell am Les Paul-Bass geben? Und Jimi Bott, der ja mal acht Jahre lang The Fabulous Thunderbirds begleitet hat, ist in der Bluesszene wahrlich kein unbekannter und mit 19 Nominierungen und einer Auszeichnung als Drummer des Jahres für den Blues Music Award einer der abgesagtesten Schlagzeuger.

Jimi Bott FOTO: Peter “Beppo” Szymanski

Die Band erhielt verdient tosenden Applaus. Zur Zugabe gab es ein Uptempo-Instrumental und eine Ballade, bei der Sugaray seine beeindruckende Stimme ohne Mikro vorstellte und beim Singen durchs Publikum ging. Was für eine großartige Band!