Omer Klein erzählt Geschichten am Klavier: Sein neues Album heißt „Sleepwalkers“

Omer Klein FOTO: Warner/Promo

Omer Klein ist ein meisterhafter Geschichtenerzähler. Musikalisch eloquent legt der 34-jährige Pianist mit „Sleepwalkers“ sein siebtes Album und sein Debüt bei Warner Music vor, das am 17. Februar 2017 erscheinen soll. Am Tag zuvor, am 16. Februar, startet Klein seine Deutschlandtour in Düsseldorf. Tickets gibt es bei BonnTicket.

Mit seinem Trio, bestehend aus Haggai Cohen-Milo am Bass und Amir Bresler am Schlagzeug, hat er auf dem Album dreizehn Eigenkompositionen zusammengefasst, die sich thematisch im weitesten Sinne mit menschlichen Verhaltensweisen befassen, kleine Charakterstudien und philosophische Betrachtungen, basierend auf Beobachtungen von großstädtischen Menschen, wie er selbst erklärt. „Ich beobachte immer mehr Fußgänger, die abwesend nach unten schauen, die volle Aufmerksamkeit auf ihre Smartphones gerichtet“, erklärt er im Begleittext. „Ein Großteil des heutigen Lebens findet bereits in einer Art alternativer, virtueller Welt statt. In gewisser Weise sehen wir so aus, als wären wir hier und gleichzeitig nicht hier, als würden wir schlafwandeln.“

Der Opener „Wonder and Awe“ beginnt sehr kammermusikalisch, es könnte ein Lied aus der Romantik sein, einfach, aber eindringlich, gespielt mit der Sensibilität eines Bill Evans. Und auch das Titelstück hat ein eher verhaltenes Intro, das aber tiefsinnig wie ein Soundtrack zu einem französischen Film weitergeht. Das eingängige Thema, zu dem Bresler seine Snare in militärischer Disziplin spielt, löst sich in einem empfindsamen Solo auf, Drums und Bass spielen befreit auf, Klein steigert sein Solo in eindrucksvoller Weise.

Und „Blinky Palermo“ hat diese rockige Attitüde im Bass, begleitet vom vorwärtstreibenden Beat der Drums: kraftvoll, leicht bluesig. Das Klavier übernimmt den Gestus, der Bass lässt sich zurückfallen, aber seine starken Wellen schlagen unaufhörlich weiter gegen das rhythmisch aufgepeitschte Pianospiel. Bass und Piano wirken wie eine wilde Brandung, bei der die Gischt haushoch über die Felsen jagt. Ein faszinierendes Stück hervorragender Trioarbeit!

Allein der Ausschnitt dieser drei Stücke zeigt die Vielschichtigkeit des Trios, das auf seiner kommenden Tour auch Station beim Jazzfest Bonn macht. Es wäre auch verwunderlich, wenn die vielen Einflüsse des Lebens nicht auf Kleins Arbeit einwirken würden. Das Erzählerische, in das auch eine leichte mystische Melancholie schwingt, hat er wohl aus seiner Heimat. Omer Klein wurde 1982 im israelischen Netanja geboren, zieht dann mit 23 Jahren nach Boston, wo er bei Danilo Perez am New England Conservatory studiert – wahrscheinlich der richtige Mann für Klein, weil Perez in sein Spiel auch gerne viele Einflüsse von Folk, Americana bis zu allerlei World Music einfließen lässt. Dann zieht der junge Pianist weiter. Mitten in die New Yorker Jazz-Szene, wo er Schüler von Fred Hersch wird. Seit fast sieben Jahren lebt Klein in Düsseldorf, wohin er der Liebe wegen gezogen ist.. 2015 bekommt er den Förderpreis des Landes NRW, wird für sein Album „Fearless Friday“ für den ECHO Jazz nominiert.

Was den Zuhörer sofort einnimmt, ist diese romantische Legierung auf einem sehr dynamischen Groove, die Klarheit des Anschlags, bei dem jeder Ton signalisiert, dass der Spieler stets genau weiß, wohin es ihn treibt, Kleins Virtuosität und künstlerische Vielseitigkeit und ein erstklassig eingespieltes Trio.

Album und Download gibt es bei Amazon.

 

 

 

 

 

 

 

 

Tourdaten:

16.02.2017 Düsseldorf, Schumannsaal (Release-Konzert)
19.03.2017 Kassel, Kasseler Jazzfrühling, Theaterstübchen
22.03.2017 München, Unterfahrt
23.03.2017 Regensburg, Jazzclub
25.03.2017 Bayreuth, Jazzforum
28.03.2017 Berlin, A-Trane
29.3.2017 Heidelberg, Karlstorbahnhof
31.03.2017 Essen, Philharmonie
02.04.2017 Freiburg, Jazzhaus
11.04.2017 Hamburg, Elbphilharmonie
26.05.2017 Bonn, Jazzfest Bonn
25.06.2017 Bad Kissingen, Kissinger Sommer, Matinee (solo)
30.06.2017 Greifswald, Eldenauer Jazz Evenings
02.07.2017, Sylt, Teekontor Keitum
09.07.2017 Festspiele Mecklenburg Vorpommern (solo)
29.09.2017 Lingen, Niedersächsische Musiktage