Angelika Niescier und Roger Hanschels „Rotation“ liefern virtuos ab

Drei ziemlich unterschiedliche Charaktere haben sich da zu einem spannenden Experiment zusammengefunden: die polnisch stämmige Deutsche Angelika Niescier mit ihrem klugen, forschenden und temperamentvollen Saxofonstil, der besonnen wirkende Kontrabassist Stefano Senni aus Italien und sein Landsmann, der Akkordeonspieler Simone Zanchini, ein Musiker, der das Abenteuer zu suchen scheint. Wie er an seinen Klangreglern neben sich elektronische Sounds kreiert, während die Linke ein leises Thema unter das freie Spiel Niesciers legt, wie er sich und die Altsaxofonistin immer weiter antreibt, wie die beiden leicht versetzte Linien spielen, sich harmonisch voneinander entfernen, um dann auf den Punkt wieder zusammenzutreffen, das ist schon ein packendes Erlebnis, was die Zuschauer in der Brotfabrik mit leidenschaftlichem Applaus dankten.Niesciers Liebe zu John Coltranes Freigeist ist, etwa im Opener „Imprint One“, ebenso spürbar, wie ihr kompositorisches Gespür für Stimmungen „CzarneKonie“).

Energiegeladen, gespickt mit liebevollen Effekten und einem sehr energischen Ton ist auch das Schlagzeugspiel von Bodek Janke, und für Roger Hanschels „Rotation“, die das zweite Konzert an diesem Jazzfestabend gaben, genau der Richtige. Gut, dass Dietmar Fuhr auf seinem fünfsaitigen Kontrabass für Verschnaufpausen sorgte. Denn Hanschel kommt von der Charlie Parker-Fraktion: Der Mann ist am Altsaxofon vielseitig wie ein Multiinstrumentalist, technisch auf hohem Niveau – und schnell. Mal unterstützt er Markus Segschneider an der E-Gitarre mit klavierähnlichen Arpeggien, dann erzeugt er Triller, die wie aus einem Harmonium zu strömen scheinen, um dann Soli voller warmherziger Leidenschaft zu spielen. Wenn der innovative britische Gitarrenmeister John McLaughlin Saxofon gespielt hätte, er würde spielen wie Roger Hanschel. Markus Segschneider entschied sich (leider) für einen sehr klirrendkalten Gitarrensound, was im krassen Gegensatz zu Hanschels warmen Sound stand. Dennoch liefert er virtuos ab. Ein beeindruckender Auftritt.

27. Mai 2014, Brotfabrik, Bonn

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