Ex-Dire Straits-Bassist John Illsley überzeugt in der Harmonie Bonn

Es ist immer ein Wagnis, wenn Bands ihre Originalwerke nicht in der gewohnten Art zu spielen. Das irritiert manchen Fan, der dann lieber zur Coverversion greift. Aber tatsächlich lohnt es sich, von der komfortablen Couch aufzustehen und nochmal richtig reinzuhauen. John Illsley ist so ein Künstler. Der langjährige Bassist und das Gründungsmitglied der Dire Straits hatte schon im vergangenen Jahr gezeigt, dass er wenig Lust hatte, den Klon vergangenen Tage zu geben. So war es auch am Montagabend in der Harmonie.

John Illsley. FOTO: Peter “Beppo” Szymanski
John Illsley. FOTO: Peter “Beppo” Szymanski

Und diesmal war es also wieder Robbie McIntosh an der Hauptgitarre, der Mann, der seine Dienste schon The Pretenders, Paul McCartney und Tom Jones andiente. Im vergangenen Jahr kam Illsley noch mit dem sagenhaften Phil Palmer, der für viel Furore gesorgt hatte. Illsley, der neben Mark Knopfler von 1977 bis zum Split Mitte der 1990er Jahre als einziges Bandmitglied immer dabei war, bringt an diesem Abend natürlich jede Menge DS-Klassiker. „Walk Of Life“ oder „Sultans of Swing“, auf dem McIntosh eine zum Knien großartige Gitarre spielt. Auch bei „Calling Elvis“ oder „Railway Tracks“ lässt es McIntosh richtig krachen.

In der ersten Hälfte des Konzertes scheint die Band von John Illsley indes wenig Laune zu haben, vor allem Jessica Greenfield, die im vergangenen Jahr noch recht positiv auffiel, spielte die gelangweilte Diva auf der Bühne. Die gut 150 Fans werden aber in der zweiten Hälfte des Konzertes mit gehörig Feuer im Kessel entschädigt, insbesondere bei dem Superhit „Brothers in Arms“ und „Money For Nothing“ zieht die Truppe alle Register. Und John Illsley ist eh der sympathische Frontmann mit der überzeugenden Stimme. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr! (Mike H. Claan)