Dream Theater-Keyboarder Jordan Rudess und sein Solowerk „Wired For Madness“ – nicht durchgängig gelungen

Jordan Rudess Foto: Jerry Lofaro

Ich hatte mich so auf das Solo-Album von Dream Theater-Keyboarder Jordan Rudess gefreut. Doch „Wired For Madness“ kann leider nicht durchgängig überzeugen.

Von Dylan Cem Akalin

„Off The Ground“ ist eigentlich eine nette Rockbballade mit einem schönen Gitarrensolo, aber das Singen hätte Jordan Rudess doch jemandem wie James LaBrie, der ja auch einen Auftritt auf dem Werk hat, überlasen. „Drop Twist“ ist für mich die Perle auf dem Album, ein intelligentes Stück, das in weiten Strecken an die Verrücktheiten von Frank Zappa und dem Projekt Liquid Tension Experiment erinnert. „Perpetual Shine“ ist eine Komposition, in der es wirklich viel zu entdecken gibt, und so sehr Rudess sich darauf auch soundtechnisch und spielerisch austobt, es ist in weiten Strecken nachvollziehbar, hat energische rockige Momente und emotionale, sehr starke solistische Glanzpunkte.

„Wired for Madness“ ist mehr geprägt von Ehrgeiz

Daran hätte sich Rudess auch bei seinem zweigeteilten Titelstück zu Anfang halten sollen. Man kommt nicht umhin, schnell zu denken, dass das alles hier nur ein Vehikel für jemanden ist, der tatsächlich seinen Wahnsinn austoben will. Teil 1 ist voll mit arpeggiierten Synths und straffer, synkopierter Rhythmen. Im Mittelteil scheinen Dream Theater durch. Man erkennt den klassischen Rudess-Sound mit üppigen Pads und halsbrecherischen Tastenläufen. Ein schwindelerregender Start ins Album. Natürlich: Der 62-Jährige Ney Yorker ist ein akustischer Abenteurer und bietet jede Menge Ablenkungen aus allen möglichen Genres, was indes häufig einfach zu überladen ist, auch wenn er bisweilen King Crimson als auch frühe Genesis als Leitfaden verwendet. „Wired for Madness“ ist mehr geprägt von Ehrgeiz als von echten instrumentalen Gefühlsmomenten.

Joe Bonamassa an der Gitarre

Eine Überraschung ist „Just Can’t Win“, auf dem Rudess übrigens ziemlich cool singt, besser jedenfalls als auf der Ballade. Auch wenn Rudess auf dem Bluesbasierten Stück ein schönes Keyboardsolo spielt, sind es Joe Bonamassa an der Gitarre und die Bläsersektion, die die Ausrugezeichen auf dem Stück setzen.

Und es gibt ja noch mehr großartige Gäste auf dem Album. Weitere Gastgitarristen sind Vinnie Moore, Guthrie Govan und John Petrucci. Das Schlagzeug wird von Marco Minnemann, Rod Morgenstein und Elijah Wood gespielt.

„Just For Today“ erinnert stark an die Balladenstärke von Dream Theater, „Why I Dream“ steht in der Folk-Prog-Tradition von King Crimson.

Insgesamt: Dieses Album wird nicht häufig den Weg in meinen CD-Player finden. Schade.